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Aus: (Ebert´s Trading Magazin 11/2001)

Das Schreiben von Straddles
Für konservative Anleger

Für Uneingeweihte klingt der  Ausdruck "einen straddle schreiben" (straddle writing) verwirrend und mysteriös. Und tatsächlich ist er wahrscheinlich verwirrender als die Bezeichnungen put und call.
Aber trotz aller Verwirrung hat die öffentliche Aufklärungsarbeit und Werbung der zahlreichen Optionsbörsen und der mit ihnen assoziierten Broker bewirkt, dass Millionen von Kleinanlegern sich mit den Begriffen put und call vertraut machen konnten und mittlerweile zumindest teilweise verstehen, wie man Puts und Calls im Rahmen einfacher Investmentstrategien einsetzen kann. Dabei beschränkt sich das Wissensniveau der meisten Kleinanleger hauptsächlich auf die Möglichkeit, Puts und Calls zu kaufen. Dieser Kauf  wird durch  hohe Gewinnerwartungen bei einem vorhersehbaren, begrenzten und kalkulierbaren Risiko motiviert. Die allgemeine Vorliebe für den Kauf von Puts und Calls ist verständlich,  weil die jeweilige Strategie mit geringem Kapitaleinsatz ausprobiert werden kann, während sich ein vielversprechendes Gewinnpotenzial mit einer großen Hebelwirkung kombiniert.
Das Konzept des  Schreibens von Put- und Calloptionen ist für die meisten Anleger jedoch viel unverständlicher. Der Ein- und Ausstieg aus verschiedenen Positionen von geschriebenen Optionen kann durch folgende Eigenschaften charakterisiert werden:

  • Die Situation ist oft sehr kompliziert, weil möglicherweise sowohl die Aktien- als auch die Optionsbörsen einbezogen werden müssen.
  • Das Schreiben von Optionen erfordert einen bedeutend größeren Kapitaleinsatz als der Kauf von Optionen.
  • Das Gewinnpotenzial für den Schreiber (Stillhalter) von Optionen ist begrenzt.
  • Das Verlustrisiko überwiegt das Profitpotential.

Angesichts der oben genannten Tatsachen stellt sich die Frage, warum überhaupt irgend jemand dazu bereit ist, Optionen zu schreiben.  Denn trotz all dieser scheinbaren Nachteile bewegt sich die Zahl der Kleinanleger und Spekulanten, die sich mit dem Schreiben von Puts und Calls  beschäftigen, mittlerweile im sechsstelligen Bereich. Dieses Schreiben von Puts und Calls ist sowohl bei Aktien- als auch Termingeschäften möglich.  In diesem Artikel wollen wir uns jedoch auf die Beschreibung einer "Grätsche" (Straddle) für konservative Aktieninvestoren konzentrieren. Für Aktienanleger besteht die verlockende Möglichkeit, Call-Optionen auf die eigenen Aktienpositionen zu schreiben. Diese Strategie ist gemeinhin als "Gedeckte Calloption" (covered call) bekannt.
Investoren, die gedeckte Call-Optionen schreiben, machen dies aus verschiedenen Gründen, unter anderem:

  • Weil das Risiko, das mit dem Besitz des betreffenden Aktienpakets einher geht, leicht gesenkt werden kann.
  • Die Dividende des Aktienpakets kann durch zusätzliche Einnahmen aus dem Schreiben der Optionen aufgestockt werden.
  • Für den Versuch, eine höhere Rendite mit dem in Aktien investierten Gesamtkapital zu erzielen, als mit anderen Finanzinstrumenten wie kurz- oder langlaufenden Anleihen erzielt werden kann.

Sobald man in der Welt des Optionsschreibens ausreichende Erfahrungen gesammelt  hat und sich mit der Anwendung  der verschiedenen Strategien und den sich daraus ergebenden Resultaten wohl fühlt, kann man sich nach anderen, raffinierteren Strategien beim Optionsschreiben umschauen, wie zum Beispiel dem straddle writing.

Bei dieser Optionsstrategie wird auf dasselbe Aktienpaket sowohl eine Put- als auch eine Calloption geschrieben, solange der Basispreis und die Laufzeit der Put- und der Calloptionen übereinstimmen.

Konservative Aktieninvestoren, die sich mit dem Schreiben von Straddles beschäftigen, achten immer darauf, dass sie über eine ausreichende Menge der betreffenden Aktie oder sonstige Sicherheiten verfügen, um den eventuell auftretenden Fehlbetrag ausgleichen zu können, sollte die Call-Seite des Straddle ausgeführt werden. Außerdem halten sie genügend Kapital für die Bezahlung aller Aktien oder sonstigen Papiere bereit, zu deren Kauf sie durch die Ausführung der Put-Seite des Straddle gezwungen werden könnten.

Der Grund für das Schreiben dieses konservativen Straddles ist natürlich, eine äußerst attraktive Rendite auf das eingesetzte Kapital zu erzielen. Und für Spekulanten, die das dahinter stehende Aktienpaket erwerben möchten, besteht dabei die Möglichkeit, sich dieses zu einem niedrigeren Kurswert anzueignen als zu dem Zeitpunkt des Schreibens des Straddles.

Es ist vielleicht am besten, wenn wir jetzt einen Blick auf ein spezifisches Beispiel für einen solchen, von einem konservativen Aktieninvestor eingesetzten Straddle werfen. Dazu nehmen wir einmal an, der Leser selbst sei der  Anleger, der sich nach einer genauen Prüfung von ABC dafür entschieden hat, das Risiko eines 1000 ABC Aktien umfassenden Depots auf sich zu nehmen.

  • Der derzeitige Kurs von ABC ist 25 $.
  • ABC-Calloptionen mit Laufzeit Juli und einem Basiswert von 25 $  kosten Anfang Januar 3 $.
  • ABC bringt eine vierteljährliche Dividende von 0,2 $ pro Aktie.

Natürlich könnten Sie einfach 1000 ABC-Aktien zu einem Kurs von  25 $ kaufen und bezahlen.  In diesem Fall wären Sie dem vollen Verlustrisiko ausgesetzt, während Sie an dem unbegrenzten Gewinnpotential jenseits der 25 $ teilhaben. Das Geschäft würde  sofort mit Kommissionsgebühren  zu Buche schlagen und sich somit erst richtig rentieren, wenn der Kursanstieg der Aktie jenseits der 25 $ ausreicht, alle Kommissionen zu decken, zuzüglich aller Beträge, die Ihnen das angelegte Kapital zu festen Zinssätzen eingebracht hätte.
Andererseits könnten Sie "einen Straddle schreiben", indem Sie  500 ABC zu 25 $ kaufen und  5 Juli-Puts sowie 5 Juli-Calls zu jeweils 3 $  schreiben. In Tabelle 1 können wir uns mit einigen der möglichen Resultate dieser Vorgehensweise vertraut machen.

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ABC am Ende der Laufzeit im Juli genau bei 25 steht und sowohl die Puts als auch die Calls nicht ausgeübt wurden und wertlos verfielen. In diesem Fall hätte der Schreiber der Optionen natürlich Grund zur Freude.
Beim "Resultat A" in unserer Tabelle ergibt sich ein Gesamtbetrag von 27.906 $, der sich aus dem Startkapital zuzüglich aller Gewinne zusammensetzt. Jetzt bieten sich eine Reihe von Möglichkeiten, dieses Kapital zu investieren. Als da wären, unter anderem:

  • Sie können weiterhin Puts auf ABC schreiben, sofern Sie die Aktie weiterhin für vielversprechend halten.
  • Sie können wieder in ABC-Aktien einsteigen und auf das neue Aktienpaket weitere Straddles schreiben.
  • Sie können in eine andere Aktie investieren und auf diese dann Straddles oder Calls schreiben.

 Bei "Resultat B" in unserer Tabelle besitzen Sie am Ende 1.000 ABC-Aktien, die Sie im Januar bei einem Kursstand von 25 $ zu kaufen bereit waren. Sie sind 3.416 $ im Plus und können jetzt eine der folgenden Möglichkeiten ergreifen:

  • Wenn Sie hinsichtlich der Zukunftserwartungen von ABC Ihre Meinung geändert haben, können Sie Ihr Aktienpaket veräußern, was den Profit von 3.146 $ um den Verlust schmälern würde, der Ihnen akzeptabel scheint.
  • Sie können Ihre Position ohne Optionen halten und auf zukünftige Kurssteigerungen warten oder später erneut Calls schreiben.
  • Sie können 10 neue Call-Optionen zum selben Basispreis von 25 schreiben, sofern das möglich ist, und durch diese zusätzlichen Prämien eventuelle Kursrisiken mindern und den Vermögensertrag auf Ihr Investment insgesamt steigern.

Tabelle 1:

Wenn Sie also ABC zu einem Kurs von 25 $ kaufen und 5 Juli-Straddles zu 25 $ schreiben, anstatt einfach 1.000 ABC zu kaufen und  halten, , um von etwaigen Kurssteigerungen zu profitieren, ohne Optionen zu schreiben, haben Sie eigentlich nur den Schwerpunkt Ihrer Investitionsstrategie verlagert. Sie bekommen eine größere Geldsumme in bar als Schutz gegen zukünftige Kursminderungen der 500 ABC-Aktien bis Juli. Diese Position kann man mit dem Depot von 1.000 ABC-Aktien vergleichen, deren Profitpotenzial zwar unbegrenzt ist, dafür müssen Sie aber auch auf jegliche Risikoversicherung verzichten. Für viele konservative Investoren ergibt gerade dieser Tausch von einer Sicherheit gegen zwei Wahrscheinlichkeiten einen Sinn.

Joe Ross

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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