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Aus: Ebert's Terminmarktmagazin (08/09/10/1997)

Das Day-Trading, einst die exklusive Domäne der Parketthändler und Handelsabteilungen der Banken und Investmenthäuser, steht seit einigen Jahren allen Tradern offen. Inspiriert durch große Intraday-Kursbewegungen in vielen Märkten, einer konstanten Versorgung mit Kursen, erschwinglich gewordenen, leistungsfähigen Computern und günstigeren Kommissionen sind in den letzten Jahren immer mehr private Trader, dazu übergegangen, Futures im Tagesgeschäft zu handeln. Der klassische Day-Trading-Markt ist nach wie vor der Future des S&P 500, aber auch in Europa gibt es einige Futures, die sich gut im Tagesgeschäft handeln lassen (Dax, Bunds, FTSE 100, Italian Bonds u.a.). Die unbestreitbare Herausforderung des Handelns innerhalb der Zeitspanne eines Tages ist jedoch ein zweischneidiges Schwert: es kann Schmerzen zufügen genauso wie heilen. Um erfolgreich zu sein, braucht ein Day-Trader die Disziplin einer Maschine, die Instinkte eines Fuchses, die Emotionen eines Steins, die Fähigkeiten eines Chirurgen und die Ruhe eines Heiligen. Wir möchten in einer mehrteiligen Serie die Grundlagen und Voraussetzungen für das Day-Trading beschreiben, die verschiedenen Märkte vorstellen, die sich für das Day-Trading eignen, und mögliche Handelsmethoden vorstellen.

DAY-TRADING AN DEN FUTURESBÖRSEN
FÜR TRADER, DIE EINEN RUHIGEN SCHLAF ZU SCHÄTZEN WISSEN

Einleitung

Im Gegensatz zum Positionen-Trader, der über Tage und Wochen seine Positionen in den Terminmärkten hält, stellt der Day-Trader seine während des Tages eingegangenen Positionen spätestens zum Handelsschluß glatt. Da der Day-Trader keine Positionen über Nacht hält und das Risiko von ungünstigen Handelseröffnungen am nächsten Tag ausgeschlossen ist, verlangen die Börsen und Broker wesentlich geringere Margins (oft betragen diese nur 20 % der Nacht-Margins). Deshalb ist das Day-Trading auch für die Trader interessant, die nur über ein kleines Handelskonto verfügen.

Märkte, die sich für Tagesgeschäfte eignen (insbesondere Aktienindizes, Währungen, Zinsen), verfügen über einen breiten täglichen Kursschwankungsbereich, sowie Volatilität und Liquidität. In der Regel eignet sich der Markt am besten für das Day-Trading, der über die größte geldwerte Schwankungsbreite und die höchste Volatilität verfügt. Volatilität führt dazu, daß es während des Tages mehrere Handelsgelegenheiten geben kann. Neue Nachrichten, die während des Tages heftige Kursbewegungen verursachen können, haben einen größeren Einfluß auf das Day-Trading als auf das Positionen-Trading.

Für den Day-Trader gibt es aber auch noch viele andere Faktoren, die zu berücksichtigen sind. Sicherlich ist es von großer Bedeutung, die Richtung des übergeordneten längerfristigen Trends ins Kalkül zu ziehen. Day-Trader, die nur eine Handelsentscheidung pro Tag vornehmen, müssen sich überlegen, ob sie zur Handelseröffnung in den Markt gehen oder nicht. Nach der Handelseröffnung kommt es häufig zu einer kurzfristigen Rallye, die entweder die Richtung für den Tag anzeigt, oder ein falsches Signal gibt; in diesem Fall kann der Day-Trader diesen frühen Trend nutzen und in der Erwartung einer Marktumkehr gegen diesen Trend kaufen oder verkaufen. Häufig findet sich in den 30 Handelsminuten ein Extrem des Tageskursbereiches.

Vor- und Nachteile des Day-Trading:

Der große Vorteil des Day-Trading kann mit einem Wort zusammengefaßt werden: Kontrolle. Erfolgreiches Futures-Trading bedeutet, daß man Risiko kontrolliert, und Tagesgeschäfte sind eine gute Möglichkeit, Marktturbulenzen zu begrenzen, indem man sich vor zwei potentiellen Hindernissen schützt: hohen Margins und dem Übernachtrisiko, das aus nächtlichen Entwicklungen entsteht.

Weitere Vorteile des Day-Trading sind:

· Effektivere Nutzung der Margin. · Der Trader wird zur Glattstellung gezwungen, was verhindert, daß an Verlustpositionen festgehalten wird. · Große Kursbewegungen während des Tages können gehandelt werden. · Der Trader kann von Emotionen gesteuerte Marktbewegungen zum eigenen Vorteil nutzen. · Day-Trading ist nur in aktiven und liquiden Märkten möglich. · Der Trader erhält schnelle Ergebnisse.

Als für das Day-Trading nachteilig zu bewerten, sind die folgenden Punkte:

· Die Intraday-Volatilität kann stark sein, was das Risiko erhöht. · Day-Trading erfordert jederzeit höchste Aufmerksamkeit des Traders. · Die großen sekundären Trends können nicht gehandelt werden. · Mehr Transaktionskosten und häufigere Slippage. · Hohe zusätzliche Kosten für das Quotesystem. · Begrenzt Verluste, aber auch Gewinne · Verlangt aktives Trading, was die Kosten erhöht · Verlangt „eiserne“ Disziplin (die vielen Tradern fehlt).

Day-Trading kann aber auch dazu benutzt werden, das Positionen-Trading zu optimieren. Das heißt, es werden langfristige Positionen nur dann eingegangen, wenn es während des Tages, unter der Berücksichtigung eines geringeren Risikos, Einstiegssignale für längerfristige Positionen gibt. Insbesondere dieser Punkt, das Optimieren von längerfristigen Trades durch Ausnutzung des Tagesgeschäfts, wird von vielen Postionen-Trader nicht genügend berücksichtigt.

Der Schlüssel zum Day-Trading: Ihr „Team“ muß bereit sein

Day-Trading ist ein sehr ernstes Geschäft; wenn man sich nicht von Beginn an richtig darauf vorbereitet, wird man unweigerlich dem Markt unterliegen. Einer der wichtigsten Aspekte des Day-Tradings ist das „Team“:

· Das Echtzeit-Quotesystem · Die Handelssoftware · Der Broker

Um erfolgreich zu sein, benötigen Day-Trader genauso wie Positionen-Trader Informationen, auf die eine Entscheidung basieren kann, Kurse zur Bestimmung, wann gehandelt werden muß, eine Möglichkeit zur Analyse dieser Daten, um die Analyseergebnisse in einen Handelsplan einfließen zu lassen, und einen Broker, der dafür sorgt, daß dieser Plan an der Börse umgesetzt wird.

Day-Trader benötigen nur mehr davon; und sie brauchen die Informationen schneller und zuverlässiger. Das Ausmaß der Fluktuationen in den Märkten, die sich für das Day-Trading eignen, macht es notwendig, daß Day-Trader schnelle Reaktionszeiten haben, wenn sie hoffen, in diesen Märkten überleben zu können.

Ohne ein Echtzeit-Kursübertragungssystem (Quotesystem) ist es nicht möglich, an den Futuresbörsen im Tagesgeschäft profitabel zu handeln. Die Kursübertragung geht von der Börse zu verschiedenen Datenanbieter, die wiederum per Satellit, Kabel oder Standleitung den Trader mit Kursen versorgen. Der Trader benötigt einen leistungsfähigen Computer, einen Datenempfänger und eine Analysesoftware (z.B. TradeStation) und kann dann die Kursentwicklung in dem gehandelten Zeitrahmen (z.B. Fünf-Minuten-Candlestick-Chart) graphisch darstellen und beobachten.

Es gibt eine Reihe von Datenanbietern (z.B. b.i.s.; Future Source, American Graphics, CQG, Interactive Brokers, Dow Jones Markets). Die monatlichen Kursübertagungskosten setzen sich aus den Gebühren des Datenanbieters und den Börsengebühren zusammen und liegen zwischen 600 und 3000 DM, u.a. abhängig von der Zahl der verfolgten Märkte und dem benutzten Datentransferweg. Bei der Auswahl des Datenanbieters ist zu berücksichtigen, daß die technischen Voraussetzungen des Datenanbieters und des Datenempfängers einen schnellen, genauen und zuverlässigen Datentransfer ermöglichen müssen. In hektischen Marktphasen kann es passieren, daß die Kurse aufgrund von Datenstaus bis zu 10 Minuten zeitverzögert sind. Einige Datenanbieter helfen sich in solchen Situationen dadurch, indem Sie Filteralgorithmen benutzen, die bestimmte Kurse während „schneller Märkte“ aussortieren (!), damit der Eindruck von Echtzeitkursüber-tragung erhalten bleibt.

Den Standard auf dem Gebiet der Analysesoftware, an dem sich andere Softwarepakete messen müssen, hat die Firma Omega Research mit ihre Software TradeStation gesetzt. Diese Handelssoftware verfügt über zahlreiche integrierte Indikatoren und viele Möglichkeiten der technischen Chartanalyse. Für Day-Trader bietet sie außerdem die Möglichkeit, auf der Basis von Tickdaten alle nur vorstellbaren Handelstechniken oder -systeme zu programmieren und rückwirkend zu testen. Die aktuelle Version TradeStation 4.0 kostet zur Zeit etwa 2.400 $.

Neben dem technischen Equipment, das das Day-Trading erst möglich macht, gehört die Auswahl des richtigen Brokers zu den Voraussetzungen, um dieses Geschäft profitabel betreiben zu können. Vorrangig bei der Brokerwahl zu berücksichtigen sind die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit, mit der Aufträge ausgeführt werden, und die Höhe der Kommission pro Round-Turn. So wie eine langsame Datenübertragung bei der Eröffnung und Glattstellung von Positionen zu teuren Fehlsignalen führen kann, kostet auch eine langsame Orderausführung bei jedem neuen Geschäft viel Geld. Grundsätzlich kann man sagen, daß zwischen Auftragserteilung und Orderbestätigung nicht mehr als 30 Sekunden liegen sollten. Beim Trading des S&P 500 kann wertvolle Zeit dadurch gespart werden, indem mit einem Broker zusammengearbeitet wird, der es dem Trader ermöglicht, Aufträge direkt auf das Parkett der CME zu plazieren. Für den Handel an der DTB hat die Einführung von Order-Entry-Maschinen dazu geführt, daß Aufträge schneller plaziert und bestätigt werden können.

Für den Day-Trader, der außer der Auftragsausführung von seinem Broker keinen weiteren Service verlangt, sollte ein Diskountbroker ausreichend sein. Da im Tagesgeschäft das Ausmaß der Kursbewegungen um ein Vielfaches geringer ist als beim Trading von Positionen, haben die Slippage (Schlechterausführung von Aufträgen) und die anfallenden Kommissionen einen prozentual größeren Einfluß auf das Handelsergebnis. Abhängig vom gehandelten Markt kann die Slippage bei Stoppaufträgen zwischen 50 und 250 $ betragen. Die zu zahlende Kommission (einschließlich Börsengebühr) sollte beim Day-Trading nicht höher als 25 $ für die US-Märkte und 30 DM für die DTB liegen.

Da das Day-Trading regelmäßig hektisch werden kann, ist es wichtig, daß der Trader genaue Aufzeichnungen über seine Aufträge, Stops und Positionen führt. Auch sollten die Gespräche mit dem Broker immer auf Band aufgezeichnet werden, um Streitfragen klären zu können, falls es aufgrund von fehlerhaften Auftragsausführungen dazu kommt.

Wenngleich es beim Day-Trading selten die Möglichkeit gibt, das große Geschäft zu machen, auf das man das ganze Leben gewartet hat, so schläft es sich auf der anderen Seite vielleicht besser, wenn man sich nicht darüber Gedanken machen muß, ob der Markt am nächsten Morgen zehn Punkte gegen die offene Position eröffnet.

In der Augustausgabe des ETM stellten wir die Vor- und Nachteile von Tagesgeschäften an den Futuresbörsen vor. Wir gingen auf das technische Equipment wie Quotesystem und Datenübertragung ein und beschrieben, daß die Wahl eines kompetenten Brokers, die anfallende Slippage und die Höhe der Kommissionen einen enormen Einfluß auf die Performance eines Day-Traders haben können. Während Tagesgeschäfte primär dazu benutzt werden, mit kurzfristigen Trades die Tagesschwankungen eines Marktes auszunutzen, wobei offene Positionen spätestens zum Handelsschluß glattgestellt werden, so kann der Zugriff auf Echtzeitkurse auch dazu dienen, längerfristige Positionengeschäfte mit einem minimierten Risiko einzugehen. Im folgenden möchten wir die Merkmale beschreiben, die zeigen, ob sich ein Markt für das Day-Trading eignet.

DAY-TRADING AN DEN FUTURESBÖRSEN
TEIL 2: DIE AUSWAHL DER MÄRKTE

Die meisten Trader haben ihre Lieblingsmärkte. Viele Märkte, die für das Positionen-Trading ausreichend Liquidität, Umsätze und gute Trends aufweisen, eignen sich jedoch nicht für das Day-Trading. Der Trader muß deshalb wissen, wie man gute Märkte selektiert, an denen sich Strategien des Day-Trading umsetzen lassen.

In tendenzlosen Märkten ist es schwer, mit Ausnahme des Schreibens von Optionen, Geld zu verdienen. Dies trifft auf jede Art von Trader (kurzfristig orientiert, langfristig orientiert etc.) zu, aber besonders davon betroffen ist der Day-Trader. Da bei Tagesschäften alle offenen Positionen zum Handelsschluß geschlossen werden, verfügt der Day-Trader nicht über den Luxus, darauf warten zu können, ob der nächste Tag die erwartete Kursbewegung mit sich bringt. (Auf der anderen Seite werden aber auch alle nachteiligen Übernacht-Bewegungen vermieden).

Die Auswahl eines Marktes basiert primär auf einem Faktor: der Effizienz des Marktes. Viele Faktoren machen einen Markt effizient, aber am wichtigsten ist die Liquidität. Neben der Markteffizienz ist auch die Verbindung zum Parkett ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl eines Marktes. Wenn Aufträge langsam oder schlecht ausgeführt werden, dann ist dies ein riesiger Nachteil für den Day-Trader.

Die tägliche Handelsstrecke

Märkte, die sich für das Day-Trading eignen, müssen während des Tages eine ausreichende Handelsstrecke (Tageshoch abzüglich Tagestief) aufweisen. Wie groß die Intraday-Range eines Marktes sein sollte, hängt von Ihren Gewinnzielen ab. Als absolutes Minimum gilt die Richtlinie, daß es zumindest möglich sein sollte, mit der Handelsstrecke die durchschnittlichen täglichen Kosten des Tradings zu verdienen. Aber dieses Kriterium erfüllen viele Märkte. Deshalb wird man nach dem Markt suchen, der die größte geldwerte Schwankungsbreite hat; dies sollte dann der beste Markt für das Day-Trading sein. Häufig sind dies auch die Märkte mit den höchsten Kontraktwerten.

Um die typischen täglichen Schwankungsbreiten von Märkten vergleichen zu können, muß man ihre Handelsstrecken quantifizieren. Dies erreicht man, indem man die durchschnittliche Handelsstrecke jedes Markte in Punkten nimmt und mit dem Geldwert jedes Punktes multipliziert.

So hatte z.B. der S&P 500 Junikontrakt vom 1. Januar 1997 bis zum 28. Februar 1997 eine durchschnittliche tägliche Handelsstrecke von 1098 Basispunkten. Bei einem Wert von 5 $ für jeden Punkt ergibt sich eine durchschnittliche Handelsstrecke im Wert von 5490 $. Dieser Wert zeigt schon, daß für den Day-Trader nach Abzug von Transaktionskosten und Slippage ausreichend Raum für profitable Geschäfte blieb.

Nahe am anderen Ende der geldwerten Handelsstrecke liegt der Eurodollar-Future. Vom 1. Januar 1997 bis zum 28. Februar 1997 zeigte der Junikontrakt eine tägliche Handelsstrecke von sechs Basispunkten. Da jeder Punkt einen Wert von 25 $ hat, ergibt sich eine tägliche geldwerte Handelsstrecke von 150 $. Für Tagesgeschäfte ist eine so niedrige Handelsstrecke nicht ausreichend.

Die durchschnittliche tägliche Handelsstrecke stellt aber nur das maximale Gewinnpotential eines durchschnittlichen Tages dar, an dem nur zwei Trades gemacht wurden: Am Tief wurde gekauft und am Hoch glattgestellt, oder am Hoch wurde verkauft und am Tief glattgestellt. Dies ist jedoch nicht immer ein realistisches Szenario. Neben der durchschnittlichen täglichen Handelsstrecke sind also noch weitere Punkte zu berücksichtigen, die einen Markt für das Day-Trading interessanter machen können.

Da ein Day-Trader mehr als nur zwei Geschäfte pro Tag tätigen kann, wird also die Volatilität, die ein Markt während des Tages aufweist, zu einem weiteren wichtigen Kriterium, das der Day-Trader zu berücksichtigen hat.

Volatilität während des Tages

Ein Markt kann auch dann ein guter Kandidat für das Day-Trading sein, wenn die tägliche Handlesstrecke nicht sehr groß ist.

Stellen Sie sich einen Markt vor, der eine tägliche Handelsstrecke von nur 250 $ hat: Falls dieser Markt das Hoch und Tief eines Tages jeweils dreimal testet, dann ist das ein größeres Gewinnpotential im Vergleich zu einem Markt, dessen tägliche Handelsstrecke doppelt so groß ist, wobei es hier aber nur zu einer einzigen Bewegung vom Tief zum Hoch (oder umgekehrt) kommt.

Wenn Sie Sojabohnen bei 700 Cents kaufen und bei 710 Cents verkaufen, realisieren Sie einen Gewinn von 500 $. Verkaufen Sie dagegen Mais bei 350 Cents, decken bei 345 Cents ein, kaufen bei 345,25, stellen bei 349,50 glatt, verkaufen noch einmal bei 348 Cents und beenden den Tag, indem Sie bei 345,50 glattstellen, dann addiert sich Ihr Gewinn auf 637,50 $. Wie man sehen kann, läßt sich Volatiltät nur dann vorteilhaft nutzen, wenn die Kommissionen niedrig sind und schnelle Aufragsausführungen gewährleistet sind.

Wenn sich die Volatilität eines Marktes erhöht, dann erhöht sich auch die Slippage, was verlorener Gewinn bedeutet. So lagen im Kaffeemarkt Anfang März zwischen den Ticks 50 bis 100 Basispunkte. Im letzteren Fall sind dies 375 $. Nur eine Position einzugehen und wieder zu schließen, kostete den Trader bis zu 700 $.

Aber trotz der Risiken von Slippage und Kommissionen ist Volatilität sicherlich ein Plus für den Day-Trader. Wenn ein Markt volatil ist, dann gibt es mehr Gelegenheiten.

Zu einer Erhöhung der Tagesvolatilitäten kommt es regelmäßig nach der Veröffentlichung von Zahlen und Berichten. So können z. B. die Arbeitslosenzahlen an den Zins- und Aktienmärkten kräftige Intraday-Bewegungen auslösen, falls diese Zahlen nicht der Erwartung der Marktteilnehmer entsprochen haben. In den Getreidemärkten kommt es während der kritischen Wachstumsperioden aufgrund von Wetterveränderungen zu Volatilitäten. In den Devisenmärkten können Interventionen der Zentralbanken oder Gerüchte darüber zu starken Tagesschwankungen führen. Liquidität

Die Liquidität ist die am schwierigsten zu messende Variable. Die Umsätze, die Aktivität in einem Markt zeigen, und das offene Interesse, das den Grad der Teilnahme darstellt, sind quantifizierbare Merkmale eines Marktes. Aber andere Aspekte, wie die Aktivitäten der Parketthändler und die Intraday-Teilnahme von kommerziellen Marktteilnehmern, bleiben dem Day-Trader, der nicht auf dem Parkett handelt, verborgen. Viele Trader sind der Ansicht, daß sich bestimmte Märkte wie die Energiemärkte, die Edelmetalle und einige Weichwaren nicht für das Day-Trading eignen, da diese Märkte durch Gruppen von Parketthändlern dominiert werden, wodurch es zu schlechten Auftragsausführungen während des Tages kommt. Häufig haben solche Märkte auch nur ein niedriges offenes Interesse und unstetige Umsätze.

Um über die beste Liquidität verfügen zu können, sollte man nur in den Märkten und Liefermonaten handeln, die das höchste offene Interesse aufweisen. Wenn die Umsätze stetig steigen und im Vergleich zu ihrem Durchschnitt relativ hoch sind, dann zeigt dies, daß der Markt für das Day-Trading geeignet sein könnte. Falls der Umsatz eines Marktes aber plötzlich in die Höhe springt, dann könnte diese Umsatzspitze aufgrund von kurzfristigen fundamentalen Faktoren ausgelöst worden sein, und es gibt keine Garantie, daß diese hohe Liquidität am nächsten Tag noch vorhanden ist.

Die Märkte

An den europäischen Futuresbörsen bringen einige der Aktienindexkontrakte und Zinsfutures die Voraussetzungen mit, um für das Day-Trading interessant zu sein. Diese Kontrakte werden im wesentlichen an der DTB, der LIFFE und Matif gehandelt. Von den an der DTB notierten Futures werden der DAX-Index und der BUND-Future von vielen Tradern im Tagesgeschäft gehandelt. Der BUND-Future wird auch an der LIFFE notiert. Von den dort gehandelten Futures sind für Tagesgeschäfte auch der FTSE 100 Index sowie die Zinsfutures auf Long Gilts und italienische Bonds geeignet. Der einzige Futureskontrakt, der an französischen Matif gehandelt wird und den Ansprüchen des Day-Tradings gerecht wird, ist der Aktienindex CAC 40.

An den US-Börsen werden drei Futures auf Aktienindexkontrakte gehandelt, deren Umsätze zu einem großen Teil von Day-Tradern gemacht werden. Es sind dies die Futures des S&P 500 Index (CME), des NYSE Composite Index (NYFE) und des NASDAQ 100 Index.

Von den am Chicago Board of Trade gehandelten Futureskontrakten ist an erster Stelle der Future auf T-Bonds für Tagesgeschäfte interessant. Hier ergeben sich die besten Handelsgelegenheiten während der Veröffentlichung von Regierungsberichten. Aufgrund hoher Umsätze ist die Slippage in der Regel gering. Auch die Getreide und Ölsaaten, die am CBOT gehandelt werden, können im Tagesgeschäft erfolgreich gehandelt werden, wenn die Auftragsausführungen schnell erfolgen und Slippage und Kommission niedrig sind. Die Liquidität ist bei Mais, Weizen und Sojabohnen in der Regel hoch, aber die Volatilitäten dieser Wettermärkte schwanken saisonal. Insbesondere während der kritischen Wachstumsphasen erhöhen sich die täglichen Handelsstrecken beträchtlich.

Neben den Aktienindexkontrakten und Zinsfutures eignen sich die an der CME notierten Devisenfutures am besten für Tagegeschäfte. Yen und DM sind dabei die aktivsten Märkte, die Liquidität ist hoch, Intraday-Trends sind oft stark, und die Volatilität ist häufig davon beeinflußt, welche Rolle die Regierungen und Zentralbanken im Bezug auf die Wechselkursverhältnisse spielen. Von den an der CME gehandelten Fleischmärkten kann der Futures auf Rinder in der Regel am besten im Tagesgeschäft gehandelt werden. Die Liquidität schwankt saisonal und ist von der Teilnahme der kommerziellen Trader abhängig. Oft sind die Tagestrends unbeständig. Die Volatilität erhöht sich vor und nach Regierungsberichten über Viehbestände und Zuchtprognosen.

Von den in New York gehandelten Futures sind - neben dem NYSE-Future - Gold und Rohöl aufgrund der Liquidität für das Day-Trading interessant. Die Volatilität ist an diesen Märkten starken Schwankungen ausgesetzt und die täglichen Handelsstrecken bewegen sich in der Regel zwischen 300 $ und 1000 $.

Ähnliches gilt für die Weichwaren wie Kakao, Kaffee, Zucker und Baumwolle. Auch hier kommt der Auftragsausführung, Slippage und Provision eine wesentlich größere Bedeutung zu als beispielsweise beim T-Bond-Future. Die Volatilitäten schwanken saisonal und sind abhängig von Ernteprognosen und Wettervorhersagen.

Zusammenfassend kann man sagen, daß die fünf besten Märkte für das Day-Trading, gewählt aus unterschiedlichen Marktgruppen, in der Regel der S&P 500 (DAX), die T-Bonds (Bunds), der DM-Future, das Gold und Rohöl sind.

In den letzten beiden Teilen dieser Artikelserie stellten wir Ihnen die Grundlagen und Voraussetzungen des Day-Trading sowie die potentiell handelbaren Märkte vor. In dieser Ausgabe des ETM wenden wir uns der praktischen Seite des Day-Trading zu und möchten Ihnen einen Überblick über die beiden grundlegenden Handelsmethoden, das Trading von Ausbrüchen (breakouts) und das Trading von Stützung (support) und Widerstand (resistance), geben.

DAY-TRADING AN DEN FUTURESBÖRSEN
TEIL 3: HANDELSMETHODEN

Die meisten Day-Trader arbeiten mit Minuten- oder Tickcharts (5-, 10, -15-Minutencharts oder 500-Tick-Charts sind weit verbreitet). Neben diesen kurzfristigen Charts ist es wichtig, längerfristige Charts (Stundenchart, Tageschart) heranziehen, damit die Richtung des übergeordneten Trends identifiziert werden kann. Das beste Verhältnis von Gewinn zu Verlust zeigen in der Regel die Trades, die im kurzfristigen Zeitrahmen in Richtung des längerfristigen Trends gehandelt werden. Zur Identifizierung der Trendrichtung können gleitende Durchschnitte wie der MACD (Moving Average Convergence Divergence) benutzt werden. Andere technische Instrumente wie die Slow Stochastics sind hilfreich, wenn sie richtig angewendet werden.

1. Das Trading von Ausbrüchen

Tagesgeschäfte lassen sich dann profitabel durchführen, wenn es nach dem Positionseinstieg zu einer kräftigen Bewegung in die erwartete Richtung kommt. Wie kann man im voraus erkennen, wann solche vorteilhaften Bewegungen eintreten könnten?

Der richtige Zeitpunkt für ein Tagesgeschäft liegt dann vor, wenn das Einstiegssignal auf einem bedeutenden Ereignis basiert, welches aus dem längerfristigen Momentum (Schwung) des Marktes stammt. Der Day-Trader kann davon profitieren, daß auf Tagescharts Signale entstehen, die längerfristig orientierte Marktteilnehmer zu einem Markteinstieg bewegen. Diese Einstiegssignale sind u.a.:

· Der Ausbruch aus einer Schiebezone (trading range).

· Der Ausbruch aus einem 1-2-3-Tief oder- Hoch.

· Der Ausbruch aus einem Ross-Haken (Pivot-Punkt).

· Der Ausbruch durch ein individuelles Hoch oder Tief der letzten drei Tage.

· Der Ausbruch durch das höchste Hoch oder tiefste Tief der letzten drei Tage.

Der Day-Trader kann, nachdem ein potentieller Ausbruchspunkt erkannt wurde, an oder kurz vor dem Ausbruchspunkt eine Position eingehen. Der folgende Chart zeigt einen Tageschart des Britischen Pfundes. Der Markt bewegte sich über einige Wochen seitwärts in einer Schiebezone. An dem Tag, als der Markt aus der Schiebezone ausbrach, generierte der Tageschart ein Kaufsignal für längerfristig orientierte Trader. Diese Situation hätte ein Day-Trader ausnützen können, um ein sehr profitables Tagesgeschäft durchzuführen.

Der folgende Chart des Goldmarktes zeigt ein 1-2-3-Tief. Das Hoch des Tages, der mit „2“ markiert ist, ist das Preisniveau, an dem ein Day-Trader ein Tagesgeschäft hätte erwägen können. Kurz vor oder an dem Hoch wäre der Einstieg in eine Longposition erfolgt.

Weitere Handelsmöglichkeiten ergeben sich an den Tagen, an denen ein Markt Ross-Haken oder Pivot-Punkte (lokale Hochs oder Tiefs) durchbricht. Ross-Haken kommen nur in etablierten Trends vor. In einem Aufwärtstrend entsteht ein Ross-Haken, sobald ein niedrigeres Hoch vorliegt. In einem Abwärtstrend entsteht ein Ross-Haken, sobald ein höheres Tief vorliegt. Die dann vorliegenden lokalen Hochs oder Tiefs bieten sich an, während des Tages gehandelt zu werden.

Der amerikanische Meister-Trader Joe Ross beschreibt die Varianten dieser Handelsstrategien anhand von 5-Minuten-Charts des S&P 500 detailiert in seinem Buch Day-Trading: Tagesgeschäfte an den Futuresbörsen (zu beziehen über den Verlag Richard Ebert).

Nach Ross bieten sich markante Einstiegssignale auch an den Extrempunkten der vorangegangenen Tage (z.B. am höchsten Hoch oder tiefsten Tief von gestern, vorgestern oder von vor drei Tagen). Wenn der Markt diese Extrempunkte während des Tages durchbricht, dann kommt es regelmäßig zu kräftigen Bewegungen in Richtung des Ausbruchs, die der Day-Trader für sich nutzen kann. Häufig befinden sich hinter den Extrempunkten offene Stopp-Aufträge von längerfristig orientierten Tradern, und die Ausführung dieser Aufträge verstärkt die vorherrschende Bewegung.

Kontraktsets

Da beim Day-Trading die Kommissionen einen nicht unerheblichen Einfluß auf das Handelsergebnis haben, weist Ross in seinem Buch auf die Vorzüge der Nutzung von Kontraktsets hin. (Ein Kontraktset besteht aus drei, fünf oder einem Vielfachen von fünf Kontrakten). Da man nicht weiß, wie weit sich die Ausbruchsbewegung in die profitable Richtung fortsetzen wird, ist es wichtig, einem Teil des Kontraktsets für die Kostendeckung zu nutzen. Handelt man z.B. ein Set von fünf Kontrakten mit Kosten von 25 $ pro Roundturn, dann liquidiert man zwei Kontrakte an dem Punkt, an dem 125 $ Gewinn erreicht sind. Für die restlichen drei Kontrakte wird dann das Stopploss an den Einstiegskurs nachgezogen, womit man ab jetzt frei von Kosten handelt. Von diesen drei Kontrakten könnten ein oder zwei Kontrakte an einem bestimmten Gewinnziel (z.B. bei 1000 $ Gewinn glattgestellt werden). Den letzten Kontrakt würde man im Markt lassen und mit einem nachlaufenden Stopp zur Gewinnsicherung versehen. Die verschiedenen Konzepte, welche dem Trader für die Kostendeckung zur Verfügung stehen, beschreibt Joe Ross auch in seinem Buch Chartformation Ross-Haken: Fortgeschrittene Handelsmethoden für Futures-Trader (zu beziehen über den Verlag Richard Ebert).

2. Das Trading von Stützung und Widerstand

Vielen Tradern scheint die Methode des Tradings von Stützung und Widerstand den meisten Sinn zu machen. Dieser Ansatz beinhaltet zwei Aspekte: Zuerst muß der Tagestrend bestimmt werden. Nachdem dieser Trend erkannt worden ist, bestimmt der Trader potentielle Korrekturniveaus: das technische Stützungsniveau in einem Aufwärtstrend und das technische Widerstandsniveau in einem Abwärtstrend. In einem aufwärts gerichteten Trend wird der Trader dann an dem Stützungsniveau kaufen und in einem abwärts gerichteten Trend wird er an dem Widerstandsniveau verkaufen. Diese Handelsmethode ist besonders in dem von Day-Tradern beherrschten Futuresmarkt des S&P 500 ein beliebter Handelsansatz. Besondere Beachtung lassen hierbei viele Trader den Fibonacci-Korrekturniveaus bei 38,2 %, 50 % und 61,8 % zukommen. An diesen Niveaus suchen Fibonacci-Trader nach Kaufgelegenheiten, wenn der Markt im Zuge einer Aufwärtsbewegung korrigiert, und nach Verkaufsgelegenheiten, wenn es im Zuge eines Abwärtstrends zu Aufwärtskorrekturen (Rallye) kommt.

Literatur zur Ross-Trading-Methode für Aktien-Trader und CFD-Trader

Literatur zur Ross-Trading-Methode für Futures-Trader

 

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