Aus: Ebert's Terminmarktmagazin
(08/09/10/1997)
Das Day-Trading, einst die exklusive Domäne der Parketthändler
und Handelsabteilungen der Banken und Investmenthäuser, steht
seit einigen Jahren allen Tradern offen. Inspiriert durch große
Intraday-Kursbewegungen in vielen Märkten, einer konstanten Versorgung
mit Kursen, erschwinglich gewordenen, leistungsfähigen Computern
und günstigeren Kommissionen sind in den letzten Jahren immer
mehr private Trader, dazu übergegangen, Futures im Tagesgeschäft
zu handeln. Der klassische Day-Trading-Markt ist nach wie vor der
Future des S&P 500, aber auch in Europa gibt es einige Futures,
die sich gut im Tagesgeschäft handeln lassen (Dax, Bunds, FTSE
100, Italian Bonds u.a.). Die unbestreitbare Herausforderung des Handelns
innerhalb der Zeitspanne eines Tages ist jedoch ein zweischneidiges
Schwert: es kann Schmerzen zufügen genauso wie heilen. Um erfolgreich
zu sein, braucht ein Day-Trader die Disziplin einer Maschine, die
Instinkte eines Fuchses, die Emotionen eines Steins, die Fähigkeiten
eines Chirurgen und die Ruhe eines Heiligen. Wir möchten in einer
mehrteiligen Serie die Grundlagen und Voraussetzungen für das
Day-Trading beschreiben, die verschiedenen Märkte vorstellen,
die sich für das Day-Trading eignen, und mögliche Handelsmethoden
vorstellen.
- DAY-TRADING AN DEN FUTURESBÖRSEN
- FÜR TRADER, DIE EINEN RUHIGEN SCHLAF ZU SCHÄTZEN
WISSEN
Einleitung
Im Gegensatz zum Positionen-Trader, der über Tage und Wochen
seine Positionen in den Terminmärkten hält, stellt der Day-Trader
seine während des Tages eingegangenen Positionen spätestens
zum Handelsschluß glatt. Da der Day-Trader keine Positionen
über Nacht hält und das Risiko von ungünstigen Handelseröffnungen
am nächsten Tag ausgeschlossen ist, verlangen die Börsen
und Broker wesentlich geringere Margins (oft betragen diese nur 20
% der Nacht-Margins). Deshalb ist das Day-Trading auch für die
Trader interessant, die nur über ein kleines Handelskonto verfügen.
Märkte, die sich für Tagesgeschäfte eignen (insbesondere
Aktienindizes, Währungen, Zinsen), verfügen über einen
breiten täglichen Kursschwankungsbereich, sowie Volatilität
und Liquidität. In der Regel eignet sich der Markt am besten
für das Day-Trading, der über die größte geldwerte
Schwankungsbreite und die höchste Volatilität verfügt.
Volatilität führt dazu, daß es während des Tages
mehrere Handelsgelegenheiten geben kann. Neue Nachrichten, die während
des Tages heftige Kursbewegungen verursachen können, haben einen
größeren Einfluß auf das Day-Trading als auf das
Positionen-Trading.
Für den Day-Trader gibt es aber auch noch viele andere Faktoren,
die zu berücksichtigen sind. Sicherlich ist es von großer
Bedeutung, die Richtung des übergeordneten längerfristigen
Trends ins Kalkül zu ziehen. Day-Trader, die nur eine Handelsentscheidung
pro Tag vornehmen, müssen sich überlegen, ob sie zur Handelseröffnung
in den Markt gehen oder nicht. Nach der Handelseröffnung kommt
es häufig zu einer kurzfristigen Rallye, die entweder die Richtung
für den Tag anzeigt, oder ein falsches Signal gibt; in diesem
Fall kann der Day-Trader diesen frühen Trend nutzen und in der
Erwartung einer Marktumkehr gegen diesen Trend kaufen oder verkaufen.
Häufig findet sich in den 30 Handelsminuten ein Extrem des Tageskursbereiches.
Vor- und Nachteile des Day-Trading:
Der große Vorteil des Day-Trading kann mit einem Wort zusammengefaßt
werden: Kontrolle. Erfolgreiches Futures-Trading bedeutet, daß
man Risiko kontrolliert, und Tagesgeschäfte sind eine gute Möglichkeit,
Marktturbulenzen zu begrenzen, indem man sich vor zwei potentiellen
Hindernissen schützt: hohen Margins und dem Übernachtrisiko,
das aus nächtlichen Entwicklungen entsteht.
Weitere Vorteile des Day-Trading sind:
· Effektivere Nutzung der Margin. · Der Trader wird
zur Glattstellung gezwungen, was verhindert, daß an Verlustpositionen
festgehalten wird. · Große Kursbewegungen während
des Tages können gehandelt werden. · Der Trader kann von
Emotionen gesteuerte Marktbewegungen zum eigenen Vorteil nutzen. ·
Day-Trading ist nur in aktiven und liquiden Märkten möglich.
· Der Trader erhält schnelle Ergebnisse.
Als für das Day-Trading nachteilig zu bewerten, sind die folgenden
Punkte:
· Die Intraday-Volatilität kann stark sein, was das Risiko
erhöht. · Day-Trading erfordert jederzeit höchste
Aufmerksamkeit des Traders. · Die großen sekundären
Trends können nicht gehandelt werden. · Mehr Transaktionskosten
und häufigere Slippage. · Hohe zusätzliche Kosten
für das Quotesystem. · Begrenzt Verluste, aber auch Gewinne
· Verlangt aktives Trading, was die Kosten erhöht ·
Verlangt „eiserne“ Disziplin (die vielen Tradern fehlt).
Day-Trading kann aber auch dazu benutzt werden, das Positionen-Trading
zu optimieren. Das heißt, es werden langfristige Positionen
nur dann eingegangen, wenn es während des Tages, unter der Berücksichtigung
eines geringeren Risikos, Einstiegssignale für längerfristige
Positionen gibt. Insbesondere dieser Punkt, das Optimieren von längerfristigen
Trades durch Ausnutzung des Tagesgeschäfts, wird von vielen Postionen-Trader
nicht genügend berücksichtigt.
Der Schlüssel zum Day-Trading: Ihr „Team“ muß bereit
sein
Day-Trading ist ein sehr ernstes Geschäft; wenn man sich nicht
von Beginn an richtig darauf vorbereitet, wird man unweigerlich dem
Markt unterliegen. Einer der wichtigsten Aspekte des Day-Tradings
ist das „Team“:
· Das Echtzeit-Quotesystem · Die Handelssoftware ·
Der Broker
Um erfolgreich zu sein, benötigen Day-Trader genauso wie Positionen-Trader
Informationen, auf die eine Entscheidung basieren kann, Kurse zur
Bestimmung, wann gehandelt werden muß, eine Möglichkeit
zur Analyse dieser Daten, um die Analyseergebnisse in einen Handelsplan
einfließen zu lassen, und einen Broker, der dafür sorgt,
daß dieser Plan an der Börse umgesetzt wird.
Day-Trader benötigen nur mehr davon; und sie brauchen die Informationen
schneller und zuverlässiger. Das Ausmaß der Fluktuationen
in den Märkten, die sich für das Day-Trading eignen, macht
es notwendig, daß Day-Trader schnelle Reaktionszeiten haben,
wenn sie hoffen, in diesen Märkten überleben zu können.
Ohne ein Echtzeit-Kursübertragungssystem (Quotesystem) ist es
nicht möglich, an den Futuresbörsen im Tagesgeschäft
profitabel zu handeln. Die Kursübertragung geht von der Börse
zu verschiedenen Datenanbieter, die wiederum per Satellit, Kabel oder
Standleitung den Trader mit Kursen versorgen. Der Trader benötigt
einen leistungsfähigen Computer, einen Datenempfänger und
eine Analysesoftware (z.B. TradeStation) und kann dann die Kursentwicklung
in dem gehandelten Zeitrahmen (z.B. Fünf-Minuten-Candlestick-Chart)
graphisch darstellen und beobachten.
Es gibt eine Reihe von Datenanbietern (z.B. b.i.s.; Future Source,
American Graphics, CQG, Interactive Brokers, Dow Jones Markets). Die
monatlichen Kursübertagungskosten setzen sich aus den Gebühren
des Datenanbieters und den Börsengebühren zusammen und liegen
zwischen 600 und 3000 DM, u.a. abhängig von der Zahl der verfolgten
Märkte und dem benutzten Datentransferweg. Bei der Auswahl des
Datenanbieters ist zu berücksichtigen, daß die technischen
Voraussetzungen des Datenanbieters und des Datenempfängers einen
schnellen, genauen und zuverlässigen Datentransfer ermöglichen
müssen. In hektischen Marktphasen kann es passieren, daß
die Kurse aufgrund von Datenstaus bis zu 10 Minuten zeitverzögert
sind. Einige Datenanbieter helfen sich in solchen Situationen dadurch,
indem Sie Filteralgorithmen benutzen, die bestimmte Kurse während
„schneller Märkte“ aussortieren (!), damit der Eindruck von Echtzeitkursüber-tragung
erhalten bleibt.
Den Standard auf dem Gebiet der Analysesoftware, an dem sich andere
Softwarepakete messen müssen, hat die Firma Omega Research mit
ihre Software TradeStation gesetzt. Diese Handelssoftware verfügt
über zahlreiche integrierte Indikatoren und viele Möglichkeiten
der technischen Chartanalyse. Für Day-Trader bietet sie außerdem
die Möglichkeit, auf der Basis von Tickdaten alle nur vorstellbaren
Handelstechniken oder -systeme zu programmieren und rückwirkend
zu testen. Die aktuelle Version TradeStation 4.0 kostet zur Zeit etwa
2.400 $.
Neben dem technischen Equipment, das das Day-Trading erst möglich
macht, gehört die Auswahl des richtigen Brokers zu den Voraussetzungen,
um dieses Geschäft profitabel betreiben zu können. Vorrangig
bei der Brokerwahl zu berücksichtigen sind die Schnelligkeit
und Zuverlässigkeit, mit der Aufträge ausgeführt werden,
und die Höhe der Kommission pro Round-Turn. So wie eine langsame
Datenübertragung bei der Eröffnung und Glattstellung von
Positionen zu teuren Fehlsignalen führen kann, kostet auch eine
langsame Orderausführung bei jedem neuen Geschäft viel Geld.
Grundsätzlich kann man sagen, daß zwischen Auftragserteilung
und Orderbestätigung nicht mehr als 30 Sekunden liegen sollten.
Beim Trading des S&P 500 kann wertvolle Zeit dadurch gespart werden,
indem mit einem Broker zusammengearbeitet wird, der es dem Trader
ermöglicht, Aufträge direkt auf das Parkett der CME zu plazieren.
Für den Handel an der DTB hat die Einführung von Order-Entry-Maschinen
dazu geführt, daß Aufträge schneller plaziert und
bestätigt werden können.
Für den Day-Trader, der außer der Auftragsausführung
von seinem Broker keinen weiteren Service verlangt, sollte ein Diskountbroker
ausreichend sein. Da im Tagesgeschäft das Ausmaß der Kursbewegungen
um ein Vielfaches geringer ist als beim Trading von Positionen, haben
die Slippage (Schlechterausführung von Aufträgen) und die
anfallenden Kommissionen einen prozentual größeren Einfluß
auf das Handelsergebnis. Abhängig vom gehandelten Markt kann
die Slippage bei Stoppaufträgen zwischen 50 und 250 $ betragen.
Die zu zahlende Kommission (einschließlich Börsengebühr)
sollte beim Day-Trading nicht höher als 25 $ für die US-Märkte
und 30 DM für die DTB liegen.
Da das Day-Trading regelmäßig hektisch werden kann, ist
es wichtig, daß der Trader genaue Aufzeichnungen über seine
Aufträge, Stops und Positionen führt. Auch sollten die Gespräche
mit dem Broker immer auf Band aufgezeichnet werden, um Streitfragen
klären zu können, falls es aufgrund von fehlerhaften Auftragsausführungen
dazu kommt.
Wenngleich es beim Day-Trading selten die Möglichkeit gibt,
das große Geschäft zu machen, auf das man das ganze Leben
gewartet hat, so schläft es sich auf der anderen Seite vielleicht
besser, wenn man sich nicht darüber Gedanken machen muß,
ob der Markt am nächsten Morgen zehn Punkte gegen die offene
Position eröffnet.
In der Augustausgabe des ETM stellten wir die Vor- und Nachteile
von Tagesgeschäften an den Futuresbörsen vor. Wir gingen
auf das technische Equipment wie Quotesystem und Datenübertragung
ein und beschrieben, daß die Wahl eines kompetenten Brokers,
die anfallende Slippage und die Höhe der Kommissionen einen enormen
Einfluß auf die Performance eines Day-Traders haben können.
Während Tagesgeschäfte primär dazu benutzt werden,
mit kurzfristigen Trades die Tagesschwankungen eines Marktes auszunutzen,
wobei offene Positionen spätestens zum Handelsschluß glattgestellt
werden, so kann der Zugriff auf Echtzeitkurse auch dazu dienen, längerfristige
Positionengeschäfte mit einem minimierten Risiko einzugehen.
Im folgenden möchten wir die Merkmale beschreiben, die zeigen,
ob sich ein Markt für das Day-Trading eignet.
- DAY-TRADING AN DEN FUTURESBÖRSEN
- TEIL 2: DIE AUSWAHL DER MÄRKTE
Die meisten Trader haben ihre Lieblingsmärkte. Viele Märkte,
die für das Positionen-Trading ausreichend Liquidität, Umsätze
und gute Trends aufweisen, eignen sich jedoch nicht für das Day-Trading.
Der Trader muß deshalb wissen, wie man gute Märkte selektiert,
an denen sich Strategien des Day-Trading umsetzen lassen.
In tendenzlosen Märkten ist es schwer, mit Ausnahme des Schreibens
von Optionen, Geld zu verdienen. Dies trifft auf jede Art von Trader
(kurzfristig orientiert, langfristig orientiert etc.) zu, aber besonders
davon betroffen ist der Day-Trader. Da bei Tagesschäften alle
offenen Positionen zum Handelsschluß geschlossen werden, verfügt
der Day-Trader nicht über den Luxus, darauf warten zu können,
ob der nächste Tag die erwartete Kursbewegung mit sich bringt.
(Auf der anderen Seite werden aber auch alle nachteiligen Übernacht-Bewegungen
vermieden).
Die Auswahl eines Marktes basiert primär auf einem Faktor: der
Effizienz des Marktes. Viele Faktoren machen einen Markt effizient,
aber am wichtigsten ist die Liquidität. Neben der Markteffizienz
ist auch die Verbindung zum Parkett ein entscheidendes Kriterium für
die Auswahl eines Marktes. Wenn Aufträge langsam oder schlecht
ausgeführt werden, dann ist dies ein riesiger Nachteil für
den Day-Trader.
Die tägliche Handelsstrecke
Märkte, die sich für das Day-Trading eignen, müssen
während des Tages eine ausreichende Handelsstrecke (Tageshoch
abzüglich Tagestief) aufweisen. Wie groß die Intraday-Range
eines Marktes sein sollte, hängt von Ihren Gewinnzielen ab. Als
absolutes Minimum gilt die Richtlinie, daß es zumindest möglich
sein sollte, mit der Handelsstrecke die durchschnittlichen täglichen
Kosten des Tradings zu verdienen. Aber dieses Kriterium erfüllen
viele Märkte. Deshalb wird man nach dem Markt suchen, der die
größte geldwerte Schwankungsbreite hat; dies sollte dann
der beste Markt für das Day-Trading sein. Häufig sind dies
auch die Märkte mit den höchsten Kontraktwerten.
Um die typischen täglichen Schwankungsbreiten von Märkten
vergleichen zu können, muß man ihre Handelsstrecken quantifizieren.
Dies erreicht man, indem man die durchschnittliche Handelsstrecke
jedes Markte in Punkten nimmt und mit dem Geldwert jedes Punktes multipliziert.
So hatte z.B. der S&P 500 Junikontrakt vom 1. Januar 1997 bis
zum 28. Februar 1997 eine durchschnittliche tägliche Handelsstrecke
von 1098 Basispunkten. Bei einem Wert von 5 $ für jeden Punkt
ergibt sich eine durchschnittliche Handelsstrecke im Wert von 5490
$. Dieser Wert zeigt schon, daß für den Day-Trader nach
Abzug von Transaktionskosten und Slippage ausreichend Raum für
profitable Geschäfte blieb.
Nahe am anderen Ende der geldwerten Handelsstrecke liegt der Eurodollar-Future.
Vom 1. Januar 1997 bis zum 28. Februar 1997 zeigte der Junikontrakt
eine tägliche Handelsstrecke von sechs Basispunkten. Da jeder
Punkt einen Wert von 25 $ hat, ergibt sich eine tägliche geldwerte
Handelsstrecke von 150 $. Für Tagesgeschäfte ist eine so
niedrige Handelsstrecke nicht ausreichend.
Die durchschnittliche tägliche Handelsstrecke stellt aber nur
das maximale Gewinnpotential eines durchschnittlichen Tages dar, an
dem nur zwei Trades gemacht wurden: Am Tief wurde gekauft und am Hoch
glattgestellt, oder am Hoch wurde verkauft und am Tief glattgestellt.
Dies ist jedoch nicht immer ein realistisches Szenario. Neben der
durchschnittlichen täglichen Handelsstrecke sind also noch weitere
Punkte zu berücksichtigen, die einen Markt für das Day-Trading
interessanter machen können.
Da ein Day-Trader mehr als nur zwei Geschäfte pro Tag tätigen
kann, wird also die Volatilität, die ein Markt während des
Tages aufweist, zu einem weiteren wichtigen Kriterium, das der Day-Trader
zu berücksichtigen hat.
Volatilität während des Tages
Ein Markt kann auch dann ein guter Kandidat für das Day-Trading
sein, wenn die tägliche Handlesstrecke nicht sehr groß
ist.
Stellen Sie sich einen Markt vor, der eine tägliche Handelsstrecke
von nur 250 $ hat: Falls dieser Markt das Hoch und Tief eines Tages
jeweils dreimal testet, dann ist das ein größeres Gewinnpotential
im Vergleich zu einem Markt, dessen tägliche Handelsstrecke doppelt
so groß ist, wobei es hier aber nur zu einer einzigen Bewegung
vom Tief zum Hoch (oder umgekehrt) kommt.
Wenn Sie Sojabohnen bei 700 Cents kaufen und bei 710 Cents verkaufen,
realisieren Sie einen Gewinn von 500 $. Verkaufen Sie dagegen Mais
bei 350 Cents, decken bei 345 Cents ein, kaufen bei 345,25, stellen
bei 349,50 glatt, verkaufen noch einmal bei 348 Cents und beenden
den Tag, indem Sie bei 345,50 glattstellen, dann addiert sich Ihr
Gewinn auf 637,50 $. Wie man sehen kann, läßt sich Volatiltät
nur dann vorteilhaft nutzen, wenn die Kommissionen niedrig sind und
schnelle Aufragsausführungen gewährleistet sind.
Wenn sich die Volatilität eines Marktes erhöht, dann erhöht
sich auch die Slippage, was verlorener Gewinn bedeutet. So lagen im
Kaffeemarkt Anfang März zwischen den Ticks 50 bis 100 Basispunkte.
Im letzteren Fall sind dies 375 $. Nur eine Position einzugehen und
wieder zu schließen, kostete den Trader bis zu 700 $.
Aber trotz der Risiken von Slippage und Kommissionen ist Volatilität
sicherlich ein Plus für den Day-Trader. Wenn ein Markt volatil
ist, dann gibt es mehr Gelegenheiten.
Zu einer Erhöhung der Tagesvolatilitäten kommt es regelmäßig
nach der Veröffentlichung von Zahlen und Berichten. So können
z. B. die Arbeitslosenzahlen an den Zins- und Aktienmärkten kräftige
Intraday-Bewegungen auslösen, falls diese Zahlen nicht der Erwartung
der Marktteilnehmer entsprochen haben. In den Getreidemärkten
kommt es während der kritischen Wachstumsperioden aufgrund von
Wetterveränderungen zu Volatilitäten. In den Devisenmärkten
können Interventionen der Zentralbanken oder Gerüchte darüber
zu starken Tagesschwankungen führen. Liquidität
Die Liquidität ist die am schwierigsten zu messende Variable.
Die Umsätze, die Aktivität in einem Markt zeigen, und das
offene Interesse, das den Grad der Teilnahme darstellt, sind quantifizierbare
Merkmale eines Marktes. Aber andere Aspekte, wie die Aktivitäten
der Parketthändler und die Intraday-Teilnahme von kommerziellen
Marktteilnehmern, bleiben dem Day-Trader, der nicht auf dem Parkett
handelt, verborgen. Viele Trader sind der Ansicht, daß sich
bestimmte Märkte wie die Energiemärkte, die Edelmetalle
und einige Weichwaren nicht für das Day-Trading eignen, da diese
Märkte durch Gruppen von Parketthändlern dominiert werden,
wodurch es zu schlechten Auftragsausführungen während des
Tages kommt. Häufig haben solche Märkte auch nur ein niedriges
offenes Interesse und unstetige Umsätze.
Um über die beste Liquidität verfügen zu können,
sollte man nur in den Märkten und Liefermonaten handeln, die
das höchste offene Interesse aufweisen. Wenn die Umsätze
stetig steigen und im Vergleich zu ihrem Durchschnitt relativ hoch
sind, dann zeigt dies, daß der Markt für das Day-Trading
geeignet sein könnte. Falls der Umsatz eines Marktes aber plötzlich
in die Höhe springt, dann könnte diese Umsatzspitze aufgrund
von kurzfristigen fundamentalen Faktoren ausgelöst worden sein,
und es gibt keine Garantie, daß diese hohe Liquidität am
nächsten Tag noch vorhanden ist.
Die Märkte
An den europäischen Futuresbörsen bringen einige der Aktienindexkontrakte
und Zinsfutures die Voraussetzungen mit, um für das Day-Trading
interessant zu sein. Diese Kontrakte werden im wesentlichen an der
DTB, der LIFFE und Matif gehandelt. Von den an der DTB notierten Futures
werden der DAX-Index und der BUND-Future von vielen Tradern im Tagesgeschäft
gehandelt. Der BUND-Future wird auch an der LIFFE notiert. Von den
dort gehandelten Futures sind für Tagesgeschäfte auch der
FTSE 100 Index sowie die Zinsfutures auf Long Gilts und italienische
Bonds geeignet. Der einzige Futureskontrakt, der an französischen
Matif gehandelt wird und den Ansprüchen des Day-Tradings gerecht
wird, ist der Aktienindex CAC 40.
An den US-Börsen werden drei Futures auf Aktienindexkontrakte
gehandelt, deren Umsätze zu einem großen Teil von Day-Tradern
gemacht werden. Es sind dies die Futures des S&P 500 Index (CME),
des NYSE Composite Index (NYFE) und des NASDAQ 100 Index.
Von den am Chicago Board of Trade gehandelten Futureskontrakten ist
an erster Stelle der Future auf T-Bonds für Tagesgeschäfte
interessant. Hier ergeben sich die besten Handelsgelegenheiten während
der Veröffentlichung von Regierungsberichten. Aufgrund hoher
Umsätze ist die Slippage in der Regel gering. Auch die Getreide
und Ölsaaten, die am CBOT gehandelt werden, können im Tagesgeschäft
erfolgreich gehandelt werden, wenn die Auftragsausführungen schnell
erfolgen und Slippage und Kommission niedrig sind. Die Liquidität
ist bei Mais, Weizen und Sojabohnen in der Regel hoch, aber die Volatilitäten
dieser Wettermärkte schwanken saisonal. Insbesondere während
der kritischen Wachstumsphasen erhöhen sich die täglichen
Handelsstrecken beträchtlich.
Neben den Aktienindexkontrakten und Zinsfutures eignen sich die an
der CME notierten Devisenfutures am besten für Tagegeschäfte.
Yen und DM sind dabei die aktivsten Märkte, die Liquidität
ist hoch, Intraday-Trends sind oft stark, und die Volatilität
ist häufig davon beeinflußt, welche Rolle die Regierungen
und Zentralbanken im Bezug auf die Wechselkursverhältnisse spielen.
Von den an der CME gehandelten Fleischmärkten kann der Futures
auf Rinder in der Regel am besten im Tagesgeschäft gehandelt
werden. Die Liquidität schwankt saisonal und ist von der Teilnahme
der kommerziellen Trader abhängig. Oft sind die Tagestrends unbeständig.
Die Volatilität erhöht sich vor und nach Regierungsberichten
über Viehbestände und Zuchtprognosen.
Von den in New York gehandelten Futures sind - neben dem NYSE-Future
- Gold und Rohöl aufgrund der Liquidität für das Day-Trading
interessant. Die Volatilität ist an diesen Märkten starken
Schwankungen ausgesetzt und die täglichen Handelsstrecken bewegen
sich in der Regel zwischen 300 $ und 1000 $.
Ähnliches gilt für die Weichwaren wie Kakao, Kaffee, Zucker
und Baumwolle. Auch hier kommt der Auftragsausführung, Slippage
und Provision eine wesentlich größere Bedeutung zu als
beispielsweise beim T-Bond-Future. Die Volatilitäten schwanken
saisonal und sind abhängig von Ernteprognosen und Wettervorhersagen.
Zusammenfassend kann man sagen, daß die fünf besten Märkte
für das Day-Trading, gewählt aus unterschiedlichen Marktgruppen,
in der Regel der S&P 500 (DAX), die T-Bonds (Bunds), der DM-Future,
das Gold und Rohöl sind.
In den letzten beiden Teilen dieser Artikelserie stellten wir Ihnen
die Grundlagen und Voraussetzungen des Day-Trading sowie die potentiell
handelbaren Märkte vor. In dieser Ausgabe des ETM wenden wir
uns der praktischen Seite des Day-Trading zu und möchten Ihnen
einen Überblick über die beiden grundlegenden Handelsmethoden,
das Trading von Ausbrüchen (breakouts) und das Trading von Stützung
(support) und Widerstand (resistance), geben.
- DAY-TRADING AN DEN FUTURESBÖRSEN
- TEIL 3: HANDELSMETHODEN
Die meisten Day-Trader arbeiten mit Minuten- oder Tickcharts (5-,
10, -15-Minutencharts oder 500-Tick-Charts sind weit verbreitet).
Neben diesen kurzfristigen Charts ist es wichtig, längerfristige
Charts (Stundenchart, Tageschart) heranziehen, damit die Richtung
des übergeordneten Trends identifiziert werden kann. Das beste
Verhältnis von Gewinn zu Verlust zeigen in der Regel die Trades,
die im kurzfristigen Zeitrahmen in Richtung des längerfristigen
Trends gehandelt werden. Zur Identifizierung der Trendrichtung können
gleitende Durchschnitte wie der MACD (Moving Average Convergence Divergence)
benutzt werden. Andere technische Instrumente wie die Slow Stochastics
sind hilfreich, wenn sie richtig angewendet werden.
1. Das Trading von Ausbrüchen
Tagesgeschäfte lassen sich dann profitabel durchführen,
wenn es nach dem Positionseinstieg zu einer kräftigen Bewegung
in die erwartete Richtung kommt. Wie kann man im voraus erkennen,
wann solche vorteilhaften Bewegungen eintreten könnten?
Der richtige Zeitpunkt für ein Tagesgeschäft liegt dann
vor, wenn das Einstiegssignal auf einem bedeutenden Ereignis basiert,
welches aus dem längerfristigen Momentum (Schwung) des Marktes
stammt. Der Day-Trader kann davon profitieren, daß auf Tagescharts
Signale entstehen, die längerfristig orientierte Marktteilnehmer
zu einem Markteinstieg bewegen. Diese Einstiegssignale sind u.a.:
· Der Ausbruch aus einer Schiebezone (trading range).
· Der Ausbruch aus einem 1-2-3-Tief oder- Hoch.
· Der Ausbruch aus einem Ross-Haken (Pivot-Punkt).
· Der Ausbruch durch ein individuelles Hoch oder Tief der
letzten drei Tage.
· Der Ausbruch durch das höchste Hoch oder tiefste Tief
der letzten drei Tage.
Der Day-Trader kann, nachdem ein potentieller Ausbruchspunkt erkannt
wurde, an oder kurz vor dem Ausbruchspunkt eine Position eingehen.
Der folgende Chart zeigt einen Tageschart des Britischen Pfundes.
Der Markt bewegte sich über einige Wochen seitwärts in einer
Schiebezone. An dem Tag, als der Markt aus der Schiebezone ausbrach,
generierte der Tageschart ein Kaufsignal für längerfristig
orientierte Trader. Diese Situation hätte ein Day-Trader ausnützen
können, um ein sehr profitables Tagesgeschäft durchzuführen.