Aus:
"Börse Now" (September
2001)
Der Dow Jones Index, analysiert nach der
Ross-Methode
Zum Zeitpunkt der Niederschrift (22. September
2001) notiert der Dow Jones Industrial Average (DJIA) bei 8235 Punkten.
Nach offizieller Lesart befindet sich ein Aktienindex
dann in einem Bärenmarkt, wenn ausgehend von den letzten historischen
Höchstkursen mehr als 20 % Kursverlust eingetreten ist. Neben der
NASDAQ, die schon im letzten Jahr, dieses Kriterium erfüllt hatte,
hat im Februar dieses Jahres der S&P 500 und in der letzten Woche
der DJIA, als Folge des Anschlages auf das World Trade Center, seine
kritische Marke (9400 Punkte) nach unten durchbrochen. Damit befinden
sich nun alle wichtigen US-Aktienindizes im Bärenmarkt. Größte
Bedeutung kommt dabei dem DJIA zu, da er der weltweite Börsen-Leitindex
ist, und eine negative Performance dieses Börsenbarometer hat direkte
und indirekte Auswirkungen auf Konjunktur und Massenpsychologie der
Investoren.
Wir möchten im folgenden den Status des
DJIA analysieren und eine Prognose für die langfristige Entwicklung
herausarbeiten. Da sich der Index offensichtlich in einer Phase der
Bewertungsumkehr befindet, haben wir für unsere Analyse den Jahreschart
gewählt, um eine Perspektive für das mögliche Abwärtspotential
zu gewinnen. In Bild 1 sehen wir die Entwicklung des DJIA seit dem Jahr
1915 bis zur Gegenwart. Jeder Kursstab zeigt die Bewegung während
eines Jahres. Für die Skalierung wurde eine logarithmische Darstellung
gewählt, damit die Kursbewegungen in einem prozentual gleichen
Verhältnis zu erkennen sind.

(Chart anklicken zum vergrößern)
Die markanten Punkte auf diesem Chart sind
sicherlich das Hoch des Bullenmarktes der 1920er Jahre bei 341 Punkten
(1929), das Tief des Bärenmarktes der 1930er Jahre bei 40 Punkten
(1932), die Schiebezone von 1966-1982 mit dem Bärenmarkt von 1973/1974
und das bislang historische Hoch des Jahres 2000 bei 11750 Punkten.
Eingezeichnet ist auch die langfristige Aufwärtstrendlinie, die
aktuell bei 2350 Punkten verläuft.
Sehen wir uns als nächstes den Chart in
Bild 2 an, der die Kursentwicklung von 1969 bis zur Gegenwart zeigt.
Wir können erkennen, daß es im Jahre 1983 zu einem Ausbruch
durch das Hoch der großen Seitwärtsbewegung (Schiebezone)
der 1970er Jahre kam. In den folgenden Jahren entwickelte sich ein fulminanter
Anstieg, der sich über 18 Jahre bis zu dem historischen Hoch bei
11750 Punkten im Jahr 2000 fortsetzte. Während dieser Zeitspanne
gab es z.B. den Crash des Jahres 1987, der jedoch auf diesem sehr langfristigen
Chart kaum eine Spur hinterließ. Wie dynamisch der Bullenmarkt
der 80er und 90er Jahre war, zeigt sich daran, daß es während
dieser 18 Jahre kein Jahr gab, in welchem die Kurse das Vorjahrestief
unterschritten. Es gab also aus der Perspektive des Jahreschart bis
zum Jahr 2000 kein Korrekturjahr. Auch gab es nur zwei Jahre, in welchen
der Markt im Vergleich zum Vorjahr kein neues Hoch erreichen konnte.
Diese beiden Jahre waren 1984 und 1988. Wie man auf dem Chart sehen
kann, entstanden dadurch an den Hochs des Vorjahres zwei Ross-Haken
(RH). Der langfristige Aufwärtstrend wurde in den Jahren 1985 und
1989 bestätigt, als die Ross-Haken nach oben durchbrochen wurden.
Ein dritter Ross-Haken befindet sich jetzt am historischen Hoch. Die
Stärke des Aufwärtstrends zeigte sich auch darin, das es mit
Ausnahme der Jahre 1984 und 1990 in jedem Jahr zu Kursgewinnen kam.

(Chart anklicken zum vergrößern)
Das Jahr 2000 war seit 1984 das erste Jahr,
in welchem der DJIA zum Jahresende keinen Kursgewinn aufweisen konnte.
Auch konnte das Vorjahreshoch nur marginal überschritten werden.
Diese beiden Merkmale waren Vorboten der kommenden Marktschwäche.
Im März 2001 wurde dann das Tief des Jahres 2000 bei 9655 Punkten
unterschritten, und es zeichnete sich ab, das es zu dem ersten Korrekturjahr
seit 19 Jahren kommen würde. Für sehr langfristige Investoren
war dies das Signal, Aktienbestände abzubauen. Seitdem hat der
DJIA in der Spitze knapp 1600 Punkte abgeben.
Es stellt sich nun die Frage, was uns dieser
sehr langfristige Chart an weiteren Informationen geben kann. Erfahrungsgemäß
sind Korrekturbewegungen in vielen Fällen nicht nach einem Korrekturstab
abgeschlossen, sondern es entwickeln sich zwei, drei oder vier Korrekturstäbe,
bevor sich ein Trend wieder fortsetzt. Insbesondere die sehr hohe Anzahl
von 19 Trendstäben, läßt mit hoher Wahrscheinlichkeit
erwarten, daß es einige Korrekturstäbe geben wird. Dieser
Aspekt würde bedeuten, daß es zumindest noch ein oder zwei
Jahre dauern kann, bevor sich der langfristige Aufwärtstrend wieder
fortsetzen wird. Nach der Ross-Methode würde dieser Fall dann eintreten,
wenn das Vorjahreshoch überschritten wird. Aus der Sicht der zeitlichen
Komponente ist also von einem Bärenmarkt auszugehen, der nicht
nach einem Jahr vorüber sein wird.
Wie tief kann dieser Bärenmarkt führen?
Wenn wir davon ausgehen, daß der Ursprung des Bullenmarktes am
Tief des Jahres 1982 bei 770 Punkten zu sehen ist, so hat der Markt
in 19 Jahren 10980 Punkte bis zu dem historischen Hoch bei 11750 Punkte
zurückgelegt. Eine Fibonacci-Korrektur von 38,2 % würde auf
ein Kursziel von 4150 Punkten hinweisen, eine Fibonacci-Korrektur von
50 % deutet auf ein Kursziel von 3011 Punkten hin. Wenn wir die langfristige
Aufwärtstrendlinie extrapolieren, so wird sich diese im Jahre 2005
auch bei etwa 3000 Punkten befinden, und es ist nicht ganz unwahrscheinlich,
das diese Trendlinie im Zuge des Bärenmarktes erreicht wird. Auch
wenn diese Kursziele aus der jetzigen Sicht extrem erscheinen mögen,
so zeigt uns doch die Erfahrung aus anderen historischen Bärenmärkten
(z.B. Japan in den 90er Jahren), das zumindest ein Kursziel von 5000
Punkten innerhalb der nächsten 1-2 Jahre in den Bereich des Möglichen
kommt.
Wie können Investoren diese Analyse nutzen?
Anleger, die noch Fonds amerikanischer Blue-Chips halten, sollten in
die nächste Kurserholung hinein verkaufen und warten, bis es eindeutige
Hinweise darauf gibt, das sich die US-Aktien langfristig wieder aufwärts
bewegen können. Zur Zeit würde das bedeuten, das erst bei
einem Dow Jones Index oberhalb von 11350 Punkten die Börsenampel
wieder auf grün springt.
Literatur
zur Ross-Trading-Methode für Aktien-Trader und CFD-Trader
Literatur
zur Ross-Trading-Methode für Futures-Trader