1-2-3-Tiefs
Ein 1-2-3-Tief entsteht dann, wenn der Markt ein großes oder
mittleres Tief erreicht. Das Tief wird sichtbar, sobald die Notierungen
ausgehend vom Tiefpunkt eine Aufwärtsbewegung machen. Das Tief
ist dann der Punkt 1 auf dem Chart. Auf diese Aufwärts-bewegung
folgt sofort eine Korrektur; der Markt bewegt sich kurz zurück
in Richtung des Tiefs. Diese Bewegung hinterläßt ein Hoch,
das als Punkt 2 gekennzeichnet werden kann. Sollte die Korrektur jedoch
stärker ausfallen und das Tief des Punktes 1 erreichen oder unterschreiten,
dann wird das 1-2-3-Tief ungültig. Es muß dann davon ausgegangen
werden, daß es zu einer Konsolidierung oder einer weiteren Abwärtsbewegung
kommt.
Falls die Korrektur das Tief jedoch nicht erreicht, und die Notierungen
dann anfangen, wieder zu steigen, bleibt ein etwas höheres Tief
zurück, das jetzt als der Punkt 3 gekennzeichnet werden kann.
Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf den Punkt 2, da eine Kaufge-legenheit
entstehen kann, wenn die Notierungen den Punkt 2 durchbrechen. Es
ist dann davon auszugehen, daß sich der Markt für längere
Zeit aufwärts bewegen wird.
Wenn sich ein 1-2-3-Tief am Ende eines Abwärtstrends entwickelt,
dann entsteht der Punkt 1 durch die folgenden Ereignisse:
Zuerst ist es so, daß es einfach keine Marktteilnehmer mehr
gibt, die bereit sind zu verkaufen. Die Notierungen wurden so weit
gedrückt, daß sie nicht mehr weiter fallen konnten. An
diesem Punkt kommt es zu einer Situation, an der es statt zu viel
zu wenig Angebot gibt. Die Folge ist, daß die Notierungen anfangen
zu steigen. Wenn diejenigen Marktteilnehmer, die Leerverkäufe
getätigt und damit die Notierungen gedrückt hatten, feststellen,
daß die Notierungen begonnen haben zu steigen, dann decken sie
ihre Shortpositionen ein, um Gewinne zu realisieren. Diese Käufe
zur Glattstellung der Shortpositonen führen dazu, daß der
Markt steigt. Diejenigen Marktteilnehmer, die schon länger auf
eine Kaufgelegenheit gewartet haben, aber wegen der fallenden Notierungen
nicht wagten einzusteigen, fangen jetzt, nachdem die Bären ihre
Spiel beendet haben, an zu kaufen. Dadurch wird die Aufwärtsbewegung
des Marktes verstärkt. Die Notierungen steigen somit vom Punkt
1 zum Punkt 2. Aber schon bald werden einige der Akteure, die früh
long gegangen waren und überwiegend einen kurzfristigen Handelshorizont
haben, anfangen, durch den Verkauf von zumindest einem Teil ihrer
Longpositionen, Gewinne zu realisieren. Dies zieht wieder eine Abwärtsbewegung
nach sich, vom Punkt 2 zum Punkt 3. Diese Abwärtsbewegung oder
Korrektur wird durch die Bären verstärkt, die der Ansicht
sind, der Markt werde weiter fallen. Sie bewerten die vorangegangene
Aufwärtsbe-wegung als eine Bärenmarktrallye und nehmen diese
zum Anlaß, ihre Shortpositionen in der Hoffnung auf weiter fallende
Notierungen zu vergrößern oder neu aufzubauen. Wenn sie
richtig liegen, werden die Notierungen sinken und den Punkt 1 unterschreiten,
was die Anzeichen für einen neuen Aufwärtstrend null und
nichtig machen würde. Sollten diese Bären jedoch falsch
liegen und die Notierungen erreichen keine neuen Tiefs, dann kommen
neue Käufer in den Markt, die die Notierungen wieder vom Punkt
3 in Richtung Punkt 2 schieben. Wenn die Notierungen dann den Punkt
2 durchbrechen, könnte ein neuer Trend entstanden sein. Wie lange
dieser dauern oder wie weit er führen wird, bleibt abzuwarten.
Ein Aufwärtsausbruch aus einem 1-2-3-Tief heraus signalisiert
normalerweise, daß die Schlacht geschlagen wurde und die Bulllen
letztlich als Sieger hervorgegangen sind.
1-2-3-Hochs
In den Märkten werden viele Abwärtstrends von einer 1-2-3-Hoch-Formation
eingeleitet. Dabei kommt es häufig vor, daß die 1-2-3-Hoch-Formation
in ihrem Ausmaß von Punkt 1 bis Punkt 2 sehr groß zu sein.
Das kommt daher, da die Märkte im allgemeinen schneller fallen
als steigen.
Ein 1-2-3-Hoch wird durch das exakte gegenteilige Phänomen ausgelöst,
das ein 1-2-3-Tief hervorruft. Wir möchten kurz beschreiben,
was in einem Markt passiert, wenn sich ein 1-2-3-Hoch bildet.
Sobald es keine neuen Käufer mehr gibt und die Notierungen keine
neuen Hochs erreichen können, werden sich die Notierungen stabilisieren
oder sogar fallen. Die Bullen, die davon ausgehen, daß die Aufwärtsbewegung
vorerst beendet ist, fangen an, ihre Longpositionen zu liquidieren
und Gewinne zu realisieren. Diese Positionsglattstellungen der Bullen
geschehen durch Gegengeschäfte, sie verkaufen also, was sie vorher
gekauft haben. Diese Aktionen lassen die Notierungen fallen, und ein
Punkt 1(das erste Hoch) ist entstanden. Die Abwärtsbewegung lockt
nun die Bären an, die auf eine Gelegenheit gewartet haben, damit
sie den Markt von der Verkaufsseite angehen können. Ihre Shortpositionen
drücken die Notierungen noch tiefer. Die Notierungen bewegen
sich nun vom Hoch des Punktes 1 dorthin, wo der Punkt 2 entstehen
wird. Schon bald werden die Bären, die gleich zu Anfang der Abwärtsbewegung
eingestiegen sind, anfangen, zumindest einen Teil ihrer Position einzudecken,
indem sie ihre Shortpositionen zurückkaufen. Diese Aktionen sorgen
dafür, daß die Notierungen zurück in Richtung des
Punktes 1 steigen, wodurch ein Tief zurückbleibt, das als Punkt
2 markiert werden kann. Die überzeugten Bullen und diejenigen
Marktteilnehmer, die weiter steigende Notierungen erwarten, springen
auf den Zug auf. Sie betrachten die vorangegangene Abwärtsbewegung
als eine Bullenmarktreaktion. Ihre Käufe tragen dazu bei, daß
die Notierungen kurzzeitig steigen. Sollten die Notierungen aber so
weit steigen, daß der Punkt 1 überschritten wird, dann
ist das 1-2-3-Hoch ungültig geworden und der Aufwärtstrend
ist noch intakt. Die Bullen hätten dann gewonnen. Falls es den
Notierungen aber nicht gelingt, den Punkt 1 zu durchbrechen, weil
die Notierungen einfach zu hoch sind, dann wird der Markt wieder fallen,
wodurch ein Punkt 3 zurückbleibt. Die Bullen werden dann ihre
Positionen durch Verkäufe eindecken müssen. Diese Aktionen,
gepaart mit den Verkäufen der Bären, die auf den Zug aufspringen,
können dazu führen, daß der Punkt 2 durchbrochen wird.
In diesem Fall wäre der Abwärtstrend etabliert, und es könnte
zu weiter fallenden Notierungen kommen. Am Punkt 2 wäre also
eine Verkaufsgelegenheit entstanden.
Zusammenfassung
Eine Handelsgelegenheit tritt immer dann auf, wenn die Notierungen
den Punkt 2 bei einer 1-2-3-Formation durchbrechen. Mit dem Ausbruch
hat sich gezeigt, welche Marktseite (Käufer oder Verkäufer)
die stärkeren Kräfte hat.
Bei den Ausbrüchen aus 1-2-3-Formationen können sich viele
erfolgreiche Trades entwickeln. Wichtig ist, daß die Formationen
klar definiert und gut zu erkennen sein. Auf dem Tageschart sollten
sie aus mindestens vier Notierungsstäben bestehen.
Wenn Sie sich Ihr Trading einfacher machen wollen, dann sollten Sie
in Zukunft auf dieses Chartmuster achten. Wir konnten an dieser Stelle
nicht auf alle Hintergründe und Feinheiten eingehen, die Joe
Ross in seinen Büchern beschreibt. Die Lesern, die mehr über
die 1-2-3-Formationen und die vielen besonderen, von Joe Ross verwendeten
Handelsmethoden wissen möchten, verweisen wir auf seine Bücher.
Literatur
zur Ross-Trading-Methode für Aktien-Trader und CFD-Trader
Literatur
zur Ross-Trading-Methode für Futures-Trader