19 Durchhaltevermögen
Es ist offensichtlich, daß nicht
jeder das Zeug dazu hat, ein Star-Trader zu werden. Aber für
viele gibt es nur einen Weg, das herauszufinden - mit Durchhaltevermögen.
Manche der größten Stars unter
den Tradern haben damit angefangen, zäh und aggressiv zu
traden. Sie haben dem enormen finanziellen Schmerz und Druck,
Nettoverlierer in den Märkten zu sein, standgehalten, bis
sie den Beruf ihrer Wahl gemeistert hatten. Außer finanziellen
Verlusten mußten sie sich dem beträchtlichen emotionalen
und geistigen Streß aussetzen, den diese Verluste mit
sich brachten, manchmal über längere Zeiträume hinweg.
Es scheint, als ob für die meisten Trader nur Durchhaltevermögen
das beste Hilfsmittel auf dem Weg an die Spitze ist.
Wenn man mit dem Trading beginnt, dann
ist der Schlüssel beim Durchhaltevermögen zu finden. Wir haben
zu viele Trader mit aufgestauten Emotionen gesehen, die schließlich
mit dem Trading beginnen. Sie nehmen etwas Trading-Unterricht
bei einer Brokerfirma oder besuchen ein Trading-Seminar, machen
für ein oder zwei Wochen Papier-Trading, eröffnen ein Konto
und zack, fangen Sie an, die Tasten zu drücken. So sollte man
es nicht machen. Der Schlüssel ist, im Boot zu bleiben. Allzuoft
kommt es vor, daß diese neuen Trader Ihr Risikokapital
in weniger als einem Monat verlieren. Die gute Nachricht ist,
daß für diese Trader, wenn Sie ein Stop-loss haben und
sich daran halten, der finanzielle Schmerz an dem Punkt des
absoluten Stop-loss für das Risikokapital endet.
Jedesmal, wenn Sie umgehauen werden,
sollten Sie wieder aufstehen und es noch mal versuchen. Nur
daß Sie dieses Mal versuchen sollten, etwas aus Ihrer
letzten Niederlage gelernt zu haben.
Die meisten Leute denken, daß
der einzige wirkliche Maßstab für Erfolg beim Trading
die Summe des verdienten Geldes ist. Irgendwie ist diese Einstellung
unglücklich. Wir glauben, daß jemand, der erkennt, daß
er nicht zum Traden geboren wurde, und der das dann auch vor
sich selbst zugibt und etwas anderes anfängt, genauso erfolgreich
in den Märkten ist.
Das hört sich vielleicht einfältig
für Sie an, aber wir möchten Sie daran erinnern, daß es
viele solcher Leute da draußen gibt. Manche haben das
Trading aufgegeben, um Researcher zu werden, Broker, Anbieter
von Chartdiensten; andere schreiben Bücher über das Trading,
bieten Rechtsbeistand für Trader, geben ihnen psychologische
Hilfe, unterrichten das Trading, und wieder andere bieten Trading-Beratung,
schreiben Softwareprogramme, etc. etc.
Alle diese Leute lieben die Kunst des
Tradings. Als Trader waren sie vielleicht nicht so erfolgreich,
aber sie haben durchgehalten und so in der Arbeitswelt ihrer
Wahl eine Nische gefunden, wo ihnen ihre Arbeit Freude macht
und sie hoffentlich in der Lage sind, anderen Tradern zu helfen.
Und wenngleich es für Sie im Moment unvorstellbar sein mag,
es gibt sogar ein oder zwei Leute auf dieser Welt, die ihre
Erfüllung auf Gebieten gefunden haben, die nichts mit den Märkten
oder dem Trading zu tun haben!
20 Ehrlichkeit und Wahrheit
Beim Geschäft des Tradings fällt
es manchmal sehr leicht zu phantasieren. Man stellt sich vor,
den großen Trade zu machen.
Sie sehen einen Indikator, der auf
anscheinend wunderbare Weise funktioniert, oder ein Chartmuster,
"das niemand je zuvor bemerkt hat", und werden ganz
aufgeregt angesichts der riesigen Menge Geld, die sie mit dieser
neu entdeckten Magie verdienen können.
Hirngespinste, Wolkenkuckucksheime
und die Gier nach Volltreffern sind die Fallen, in die Sie beim
Trading leicht hineingeraten.
Es ist manchmal wirklich schwer, ehrlich
und wahrhaftig zu bleiben, sogar sich selbst gegenüber. Wenn
Sie sich inmitten eines Trades befinden, sehen Sie oft nur das
in den Charts, was Sie zu sehen wünschen. Nur zum Spaß
könnten Sie das nächste Mal, wenn Sie gerade in einen Trade
eingestiegen sind, ein Kind bitten, Ihnen zu sagen, was es auf
dem Chart sehen kann. Das ist einer der Wege, die Wahrheit zu
erfahren.
Die traurige Realität ist, daß
Selbstbetrug schnell dazu führt, daß Sie pleite gehen
und die Märkte verlassen.
Wie können Sie dafür sorgen, daß
Sie, wenn Sie handeln, sich selbst gegenüber ehrlich und wahrhaftig
bleiben?
Hören Sie auf diese Stimme mit Erfahrung:
"Ich bin froh, das Sie mich das
fragen, denn vor etlichen Jahren hatte ich genau dasselbe Problem.
Ich werde es Ihnen kurz schildern und auch meine Lösung beschreiben.
Die Tatsache, daß ich ein gutes Training und die richtige
Einstellung fürs Traden mit auf den Weg bekommen hatte, war
noch lange keine Garantie dafür, daß ich automatisch mein
Training befolgen würde und keine schlechten Angewohnheiten
hatte. Auch ich mußte mich mit Schwächen und negativen
Charaktereigenschaften herumschlagen."
"Manchmal stieg ich in einen Trade
ein und der Markt lief sofort gegen mich. Sobald das geschah
dachte ich mir gewöhnlich, der Trade brauche etwas mehr Raum.
Je mehr die Aktie sich entgegen meinen Erwartungen verhielt,
desto mehr phantasierte ich, daß der Kurs am nächsten
logischen Punkt, der ein Hoch oder Tief oder frühere Unterstützung
oder Widerstand sein könnte, bestimmt halten würde."
"Und das passierte tatsächlich
einigermaßen häufig. Der Aktienkurs würde den von
mir anvisierten logischen Punkt erreichen und sich dann etwas
zurückziehen. Dadurch sanken meine mittlerweile beträchtlichen
Papierverluste, und das gab mir wiederum Hoffnung: 'Der Markt
wird jetzt ganz bestimmt in meine Richtung laufen'."
"Doch innerhalb von ein oder zwei
Tagen hatte der Markt seinen Vernichtungskrieg gegen mich wieder
aufgenommen. Also suchte ich mir den nächsten logischen
Punkt, an dem er bestimmt stoppen würde. Ich biß die Zähne
zusammen und entschloß mich, den Trade so lange zu halten,
bis der Markt mir Recht gäbe."
"Ich beschäftigte mich mit
allen möglichen verlogenen und unehrlichen Gedanken. Aber noch
viel schlimmer war, daß ich diese Gedanken und Wünsche
derartig rationalisierte, bis ich nur noch aufgrund meiner Hoffnungen
handelte."
"Ich erlitt zu jener Zeit einige
mächtige Verluste, Niederlagen, die ich kaum verkraften
konnte. Ich verlor jeglichen Mut. Die Märkte zwangen mich
zum Rückzug und ich konnte nichts tun, als meine Wunden zu lecken.
Ich durchlief Phasen der intensiven Selbstkasteiung, nur um
dann wieder an die Börse zurückzukehren und das Ganze zu wiederholen."
"Was macht man, wenn man erkennt,
daß man ein Problem hat, sich schwört, nie wieder denselben
Fehler zu machen und doch wieder an den Punkt kommt, genau dasselbe
erneut zu tun?"
"Ich werde Ihnen jetzt beschreiben,
wie ich dieses Problem das erste Mal löste und wie sich meine
Lösung zu dem entwickelte, was ich heute mache."
"Ich beschloß, mir selbst
eine Regel, bestehend aus drei Kursstäben, aufzuerlegen.
Falls der Trade sich bis zu dem Zeitpunkt, sobald sich drei
Kursstäbe gebildet hatten, nicht für mich entwickelt hatte,
würde ich aussteigen. Das war eine harte und grausame Regel,
aber ich befolgte sie eisern und konnte so meine Verluste beträchtlich
verringern."
"Trotzdem erlitt ich immer noch
hohe Verluste, sobald der Aktienkurs innerhalb der drei Kursstäbe
eine starke Bewegung gegen mich unternahm."
"Ich mußte also noch einen
Faktor in meine Regel einbauen, so schwer mir das auch fiel.
Ich mußte die Menge Geld, die ich bereit war, in einem
Trade zu riskieren, absolut begrenzen. Das führte zur Entwicklung
meines sogenannten 'Katastrophen'-Stopps."
"Sobald ich unter den veränderten
Voraussetzungen handelte, die das Katastrophenstopp bewirkte,
fielen meine Verluste noch einmal; in der Konsequenz bedeutete
das auch, daß meine Gewinne im Vergleich zu meinen Verlusten
größer wurden."
"Dann entdeckte ich, daß
die Penetration eines an die Kursbewegung angepaßten,
gleitenden Durchschnitts ein gutes Verlustbegrenzungsstopp ergab
(Vgl. dazu unser Buch: Aktien-Trading, Bd. III: Chartanalyse
und technischen Indikatore). Nicht nur das, ich hatte auch endlich
eine reale Zahl, wohin ich mein Stopp bewegen konnte. Und ein
zusätzlicher Bonus war, daß dies ein Kursniveau war,
das nicht jeder anderer Trader benutzen würde."
"Dies trug noch mal dazu bei,
mein Verhältnis von gewonnenen Dollars zu verlorenen Dollars
zu verbessern. Ich war endlich auf dem richtigen Weg, und als
Begleiterscheinung meiner veränderten Aktivitäten
lernte ich, bei meinem Trading mir selbst gegenüber ehrlich
zu sein. Ich mußte mich nicht mehr länger belügen.
Ich hatte einen Mechanismus gefunden, der mich aus den Märkten
herausholte, bevor ich unterging."
"Und nachdem ich so begonnen hatte,
ehrlich und wahrhaftig darüber nachzudenken, was in den Märkten
passierte, kam ich zu der Trading-Methode, die ich heute verwende."
"Wenn ich long bin, bewege ich
mein Stopp nach oben, sobald der nächste Notierungsstab
kein neues Hoch erreicht, und in einer Short-Position bewege
ich das Stopp nach unten, sobald der nächste Notierungsstab
kein neues Tief erreicht."
Es gibt viele Wege, zu phantasieren
und sich selbst zu belügen.
Welche Lügen erzählen Sie sich
selbst? Gehören Sie zu den Leuten, welche die Trendlinie bewegen,
nur um sich selbst weiszumachen, daß der Trend immer noch
in Ihre Richtung geht? Oder gehören Sie eher zu denen, die ein
Stopp bewegen, um dem Trade mehr Raum zu geben?
Vielleicht sind Sie aber auch jemand,
der sich, sobald es wirklich heiß hergeht, mit etwas anderem
beschäftigt, in der Hoffnung, daß alles wieder in
Ordnung sein wird, wenn er das nächste Mal hinschaut.
Was auch immer Ihre Selbstlüge ist,
Sie müssen sie bekämpfen und einen Weg finden, sie auszumerzen.
Sie brauchen eine Technik oder vielleicht auch nur einen billigen
Trick, der Ihnen hilft, mit Ihren schlechten Angewohnheiten
zu brechen.