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 Joe Ross / Mark Cherlin:

AKTIEN-TRADING, BAND II:

Management und Psychologie

 

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Leseprobe: Kapitel 19 und 20, Seite 125-129


  19 Durchhaltevermögen

Es ist offensichtlich, daß nicht jeder das Zeug dazu hat, ein Star-Trader zu werden. Aber für viele gibt es nur einen Weg, das herauszufinden - mit Durchhaltevermögen.

Manche der größten Stars unter den Tradern haben damit angefangen, zäh und aggressiv zu traden. Sie haben dem enormen finanziellen Schmerz und Druck, Nettoverlierer in den Märkten zu sein, standgehalten, bis sie den Beruf ihrer Wahl gemeistert hatten. Außer finanziellen Verlusten mußten sie sich dem beträchtlichen emotionalen und geistigen Streß aussetzen, den diese Verluste mit sich brachten, manchmal über längere Zeiträume hinweg. Es scheint, als ob für die meisten Trader nur Durchhaltevermögen das beste Hilfsmittel auf dem Weg an die Spitze ist.

Wenn man mit dem Trading beginnt, dann ist der Schlüssel beim Durchhaltevermögen zu finden. Wir haben zu viele Trader mit aufgestauten Emotionen gesehen, die schließlich mit dem Trading beginnen. Sie nehmen etwas Trading-Unterricht bei einer Brokerfirma oder besuchen ein Trading-Seminar, machen für ein oder zwei Wochen Papier-Trading, eröffnen ein Konto und zack, fangen Sie an, die Tasten zu drücken. So sollte man es nicht machen. Der Schlüssel ist, im Boot zu bleiben. Allzuoft kommt es vor, daß diese neuen Trader Ihr Risikokapital in weniger als einem Monat verlieren. Die gute Nachricht ist, daß für diese Trader, wenn Sie ein Stop-loss haben und sich daran halten, der finanzielle Schmerz an dem Punkt des absoluten Stop-loss für das Risikokapital endet.

Jedesmal, wenn Sie umgehauen werden, sollten Sie wieder aufstehen und es noch mal versuchen. Nur daß Sie dieses Mal versuchen sollten, etwas aus Ihrer letzten Niederlage gelernt zu haben.

Die meisten Leute denken, daß der einzige wirkliche Maßstab für Erfolg beim Trading die Summe des verdienten Geldes ist. Irgendwie ist diese Einstellung unglücklich. Wir glauben, daß jemand, der erkennt, daß er nicht zum Traden geboren wurde, und der das dann auch vor sich selbst zugibt und etwas anderes anfängt, genauso erfolgreich in den Märkten ist.

Das hört sich vielleicht einfältig für Sie an, aber wir möchten Sie daran erinnern, daß es viele solcher Leute da draußen gibt. Manche haben das Trading aufgegeben, um Researcher zu werden, Broker, Anbieter von Chartdiensten; andere schreiben Bücher über das Trading, bieten Rechtsbeistand für Trader, geben ihnen psychologische Hilfe, unterrichten das Trading, und wieder andere bieten Trading-Beratung, schreiben Softwareprogramme, etc. etc.

Alle diese Leute lieben die Kunst des Tradings. Als Trader waren sie vielleicht nicht so erfolgreich, aber sie haben durchgehalten und so in der Arbeitswelt ihrer Wahl eine Nische gefunden, wo ihnen ihre Arbeit Freude macht und sie hoffentlich in der Lage sind, anderen Tradern zu helfen. Und wenngleich es für Sie im Moment unvorstellbar sein mag, es gibt sogar ein oder zwei Leute auf dieser Welt, die ihre Erfüllung auf Gebieten gefunden haben, die nichts mit den Märkten oder dem Trading zu tun haben!

20 Ehrlichkeit und Wahrheit

Beim Geschäft des Tradings fällt es manchmal sehr leicht zu phantasieren. Man stellt sich vor, den großen Trade zu machen.

Sie sehen einen Indikator, der auf anscheinend wunderbare Weise funktioniert, oder ein Chartmuster, "das niemand je zuvor bemerkt hat", und werden ganz aufgeregt angesichts der riesigen Menge Geld, die sie mit dieser neu entdeckten Magie verdienen können.

Hirngespinste, Wolkenkuckucksheime und die Gier nach Volltreffern sind die Fallen, in die Sie beim Trading leicht hineingeraten.

Es ist manchmal wirklich schwer, ehrlich und wahrhaftig zu bleiben, sogar sich selbst gegenüber. Wenn Sie sich inmitten eines Trades befinden, sehen Sie oft nur das in den Charts, was Sie zu sehen wünschen. Nur zum Spaß könnten Sie das nächste Mal, wenn Sie gerade in einen Trade eingestiegen sind, ein Kind bitten, Ihnen zu sagen, was es auf dem Chart sehen kann. Das ist einer der Wege, die Wahrheit zu erfahren.

Die traurige Realität ist, daß Selbstbetrug schnell dazu führt, daß Sie pleite gehen und die Märkte verlassen.

Wie können Sie dafür sorgen, daß Sie, wenn Sie handeln, sich selbst gegenüber ehrlich und wahrhaftig bleiben?

Hören Sie auf diese Stimme mit Erfahrung:

"Ich bin froh, das Sie mich das fragen, denn vor etlichen Jahren hatte ich genau dasselbe Problem. Ich werde es Ihnen kurz schildern und auch meine Lösung beschreiben. Die Tatsache, daß ich ein gutes Training und die richtige Einstellung fürs Traden mit auf den Weg bekommen hatte, war noch lange keine Garantie dafür, daß ich automatisch mein Training befolgen würde und keine schlechten Angewohnheiten hatte. Auch ich mußte mich mit Schwächen und negativen Charaktereigenschaften herumschlagen."

"Manchmal stieg ich in einen Trade ein und der Markt lief sofort gegen mich. Sobald das geschah dachte ich mir gewöhnlich, der Trade brauche etwas mehr Raum. Je mehr die Aktie sich entgegen meinen Erwartungen verhielt, desto mehr phantasierte ich, daß der Kurs am nächsten logischen Punkt, der ein Hoch oder Tief oder frühere Unterstützung oder Widerstand sein könnte, bestimmt halten würde."

"Und das passierte tatsächlich einigermaßen häufig. Der Aktienkurs würde den von mir anvisierten logischen Punkt erreichen und sich dann etwas zurückziehen. Dadurch sanken meine mittlerweile beträchtlichen Papierverluste, und das gab mir wiederum Hoffnung: 'Der Markt wird jetzt ganz bestimmt in meine Richtung laufen'."

"Doch innerhalb von ein oder zwei Tagen hatte der Markt seinen Vernichtungskrieg gegen mich wieder aufgenommen. Also suchte ich mir den nächsten logischen Punkt, an dem er bestimmt stoppen würde. Ich biß die Zähne zusammen und entschloß mich, den Trade so lange zu halten, bis der Markt mir Recht gäbe."

"Ich beschäftigte mich mit allen möglichen verlogenen und unehrlichen Gedanken. Aber noch viel schlimmer war, daß ich diese Gedanken und Wünsche derartig rationalisierte, bis ich nur noch aufgrund meiner Hoffnungen handelte."

"Ich erlitt zu jener Zeit einige mächtige Verluste, Niederlagen, die ich kaum verkraften konnte. Ich verlor jeglichen Mut. Die Märkte zwangen mich zum Rückzug und ich konnte nichts tun, als meine Wunden zu lecken. Ich durchlief Phasen der intensiven Selbstkasteiung, nur um dann wieder an die Börse zurückzukehren und das Ganze zu wiederholen."

"Was macht man, wenn man erkennt, daß man ein Problem hat, sich schwört, nie wieder denselben Fehler zu machen und doch wieder an den Punkt kommt, genau dasselbe erneut zu tun?"

"Ich werde Ihnen jetzt beschreiben, wie ich dieses Problem das erste Mal löste und wie sich meine Lösung zu dem entwickelte, was ich heute mache."

"Ich beschloß, mir selbst eine Regel, bestehend aus drei Kursstäben, aufzuerlegen. Falls der Trade sich bis zu dem Zeitpunkt, sobald sich drei Kursstäbe gebildet hatten, nicht für mich entwickelt hatte, würde ich aussteigen. Das war eine harte und grausame Regel, aber ich befolgte sie eisern und konnte so meine Verluste beträchtlich verringern."

"Trotzdem erlitt ich immer noch hohe Verluste, sobald der Aktienkurs innerhalb der drei Kursstäbe eine starke Bewegung gegen mich unternahm."

"Ich mußte also noch einen Faktor in meine Regel einbauen, so schwer mir das auch fiel. Ich mußte die Menge Geld, die ich bereit war, in einem Trade zu riskieren, absolut begrenzen. Das führte zur Entwicklung meines sogenannten 'Katastrophen'-Stopps."

"Sobald ich unter den veränderten Voraussetzungen handelte, die das Katastrophenstopp bewirkte, fielen meine Verluste noch einmal; in der Konsequenz bedeutete das auch, daß meine Gewinne im Vergleich zu meinen Verlusten größer wurden."

"Dann entdeckte ich, daß die Penetration eines an die Kursbewegung angepaßten, gleitenden Durchschnitts ein gutes Verlustbegrenzungsstopp ergab (Vgl. dazu unser Buch: Aktien-Trading, Bd. III: Chartanalyse und technischen Indikatore). Nicht nur das, ich hatte auch endlich eine reale Zahl, wohin ich mein Stopp bewegen konnte. Und ein zusätzlicher Bonus war, daß dies ein Kursniveau war, das nicht jeder anderer Trader benutzen würde."

"Dies trug noch mal dazu bei, mein Verhältnis von gewonnenen Dollars zu verlorenen Dollars zu verbessern. Ich war endlich auf dem richtigen Weg, und als Begleiterscheinung meiner veränderten Aktivitäten lernte ich, bei meinem Trading mir selbst gegenüber ehrlich zu sein. Ich mußte mich nicht mehr länger belügen. Ich hatte einen Mechanismus gefunden, der mich aus den Märkten herausholte, bevor ich unterging."

"Und nachdem ich so begonnen hatte, ehrlich und wahrhaftig darüber nachzudenken, was in den Märkten passierte, kam ich zu der Trading-Methode, die ich heute verwende."

"Wenn ich long bin, bewege ich mein Stopp nach oben, sobald der nächste Notierungsstab kein neues Hoch erreicht, und in einer Short-Position bewege ich das Stopp nach unten, sobald der nächste Notierungsstab kein neues Tief erreicht."

Es gibt viele Wege, zu phantasieren und sich selbst zu belügen.

Welche Lügen erzählen Sie sich selbst? Gehören Sie zu den Leuten, welche die Trendlinie bewegen, nur um sich selbst weiszumachen, daß der Trend immer noch in Ihre Richtung geht? Oder gehören Sie eher zu denen, die ein Stopp bewegen, um dem Trade mehr Raum zu geben?

Vielleicht sind Sie aber auch jemand, der sich, sobald es wirklich heiß hergeht, mit etwas anderem beschäftigt, in der Hoffnung, daß alles wieder in Ordnung sein wird, wenn er das nächste Mal hinschaut.

Was auch immer Ihre Selbstlüge ist, Sie müssen sie bekämpfen und einen Weg finden, sie auszumerzen. Sie brauchen eine Technik oder vielleicht auch nur einen billigen Trick, der Ihnen hilft, mit Ihren schlechten Angewohnheiten zu brechen.

 

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